Madrid/London/Paris - Spaniens Außenminister Josep Pique hat am Samstag die politischen Stellungnahmen des EU-Lateinamerika-Gipfels gegen Kritik aus den USA verteidigt. Dass sich Vertreter der Staaten der EU, Mittel- und Südamerikas und der Karibik am Freitag gegen "Unilateralismus" im Handel und "extra-territoriales Vorgehen" in der Politik ausgesprochen hätten, sei keine Kritik, die sich speziell gegen die USA richte, sagte Pique, dessen Land zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft führt, in Madrid. Die Teilnehmer des Gipfels hatten den gemeinsamen Grundsatz betont, globale Probleme müssten mit "multilateralen Mitteln" gelöst werden. Unabhängig davon hat sich US-Außenminister Colin Powell unmittelbar vor dem Europa-Besuch von Präsident George Bush über "Amerika-Feindlichkeit" in europa beklagt. In der Madrider Gipfel-Erklärung hieß es, die Staats- und Regierungschefs "wiesen Maßnahmen unilateraler Art und extraterritorialer Auswirkung entschieden zurück, weil sie gegen internationales Recht und die allgemein anerkannten Grundsätze des freien Handels verstießen". Mit deutlichen Worten hatte der französische Staatspräsident Jacques Chirac zuvor die von den USA verhängten Schutzzölle auf Stahl-Einfuhren kritisiert. Zudem hatte er die Abschottung des US-Marktes durch eine drastische Erhöhung der Agrarsubventionen in den USA als einseitige, die armen Staaten besonders belastende und deshalb bedauerliche Maßnahme angeprangert. Herumnörgeln an "prinzipientreuen Positionen" In einem Interview mit europäischen Journalisten hielt US-Außenminister Colin Powell am Samstag den Europäern seinerseits vor, sie nörgelten ständig an allem herum, was die Amerikaner nach klaren Grundsätzen als richtig entschieden hätten. Entgegen der in Europa vorherrschenden Meinung sei die Außenpolitik unter Präsident George W. Bush ein voller Erfolg, erklärte Powell. "Es gibt in Europa Leute, die immer sofort jede Position kritisieren, die die USA einnehmen und die wir für eine korrekte, prinzipientreue Position halten", sagte er einem Bericht des "Guardian" zufolge. Die Zunahme anti-europäischer Artikel in den US-Medien ist nach Ansicht Powells eine Reaktion auf die Kritik an den USA: "Zu einem gewissen Teil spiegelt das die Tatsache wider, dass man ständig auf uns eindrischt. Das ist eine Gegenreaktion auf die Schnelligkeit, mit der Europa immer etwas an uns auszusetzen hat." Bei einem Teil der europäischen Kritik an den USA handle es sich um "intellektuelles Geplapper". Die diversen Meinungsunterschiede zwischen den USA und Europa seien ein normaler Bestandteil des engen Verhältnisses zwischen den Bündnispartnern, zitierte die französische Tageszeitung "Libération" den US-Außenminister. "Ich bin in ständigem Kontakt mit meinen Kollegen in Europa, und ich habe Beziehungen zu jedem einzelnen von ihnen aufgebaut." Er verstehe die Enttäuschung der Europäer über die US-Haltung zu Fragen wie dem Nahen Osten, des Internationalen Strafgerichtshofes oder des internationalen Handels, doch die USA "bemühen sich um Übereinstimmung mit den Interessen der Europäer". Über Handelsstreitigkeiten wie Subventionen für Stahl oder die Landwirtschaft könne man reden. "Diese Meinungsunterschiede bedeuten nicht, dass die USA kein Verständnis mehr für die Sorgen der Europäer haben." Zugleich verteidigte Powell die Rede Bushs über die "Achse des Bösen", zu der er Nordkorea, den Irak und den Iran gehörten. "Es war erstaunlich, was danach an Kritik auf uns einprasselte. Der Präsident hatte einen schlauen Weg gefunden, um sie alle zu beschreiben. Und was ist dann wohl passiert? Die Nordkoreaner möchten jetzt mit uns reden, und die Iraker behaupten, dass sie sich besser betragen." (APA/Reuters/dpa)