Brüssel - Sie stehen in jedem Büro, in vielen Haushalten - und sie werden immer billiger: Computerdrucker. Immer teurer werden aber die Tintenpatronen und Tonerkartuschen. Die EU-Kommission will sich dieses Phänomens nun annehmen, geht es doch um einen wirtschaftlich sehr bedeutenden Markt. Wettbewerbskommissar Mario Monti kündigte dazu in Brüssel an: "Wir haben vor, das im Detail zu analysieren." Den zu erwartenden Untersuchungen liegt ein Verdacht gegen die Hersteller von Druckern und Zubehör zugrunde, den der Kommissar so umschrieb: "Der Sektor ist relativ konzentriert." Es sei die Aufgabe von Wettbewerbsbehörden, wachsam zu sein. Die EU-Kommission ist dafür zuständig, den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung und auch Kartellabsprachen auf europäischer Ebene zu unterbinden. Ganz besondere Produktpolitik Fest steht, dass die Hersteller von Druckern eine ganz besondere Produktpolitik verfolgen, um auf ihre Kosten und zu ihren Gewinnen zu kommen: Sie bieten das Gerät selbst recht günstig an, verkaufen dann aber sehr teure Druckerkartuschen, die zudem nicht einmal innerhalb der Produktpalette des eigenen Unternehmens kompatibel sind. Auch muss eine leere immer mit einer neuen vollen Patrone ersetzt werden: Wo Tintenvorräte früher noch mit etwas Geschick von Hand nachzufüllen waren, ist dies heute kaum noch möglich. Im Vorjahr wurde in Westeuropa allein mit Tintenstrahldruckern an die zwei Milliarden Euro umgesetzt. Versuchen Konkurrenten - wie der Schreibwarenhersteller Pelikan -, kompatible Druckerpatronen auf den Markt zu bringen, werden sie von den Printerherstellern mit Klagen überzogen. Diese haben sich nämlich ihre Druckmittel patentieren lassen. (Jörg Wojahn, DER STANDARD, Printausgabe 21.5.2002)