Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/Gerten
Wien - Die Stromehe zwischen Verbund und Energie Allianz wird den heimischen Konsumenten keine Verbilligungen bringen, im besten Fall werden Haushalte nicht mehr für den Strom bezahlen müssen. "Ich mache mir Sorgen um die Auswirkungen der Stromkooperation auf den Wettbewerb für die Haushaltskunden", sagt Österreichs oberster Stromregulator, Walter Boltz. Es sei nicht auszuschließen, dass die Elefantenhochzeit den Kleinkunden mittelfristig gar höhere Stromrechnungen bescheren könnte, pflichten Experten bei. Eine solche Entwicklung würde das erklärte Ziel der heimischen Wirtschaftspolitik konterkarieren, dass der Stromdeal auch den Haushalten weitere Verbilligungen bringen sollte und könnte. Offiziell sollen mögliche Verteuerungen verhindert werden, in dem der Endkundenvertrieb von der Kooperation unberührt bleibt. Dagegen gibt es einen Einwand: Kommt die Austrian-Energy (so der Arbeitstitel) zustande, haben die Konkurrenten switch (Energie-Allianz- Tochter) und Raiffeisen Ware Wasserkraft (Verbund) den gleichen Vorlieferanten. Bedrohliche Zeichen Insider malen bereits erste bedrohliche Zeichen einer Austrocknung des Wettbewerbs an der Wand: Einige neue Anbieter hätten ihre Werbekampagnen im Frühling heruntergefahren und seien auf Tauchstation gegangen. Währenddessen sei my electric (Verbund und Salzburg AG) weiter aktiv, eben weil die Salzburger sich nicht für die AustrianEnergy erwärmen können. Ähnliches gelte für die Kärntner Kelag. switch-Geschäftsführer René Huber kann dies überhaupt nicht nachvollziehen. Im Juni werde man wieder mit einer großen Werbeaktion starten, von einer Rücknahme der Budgets sei gar keine Rede. Die Zurückhaltung beim Marketing-Auftritt sei reine taktische Zurückhaltung im Zuge der Kooperationsverhandlungen gewesen, erläutert Huber. Michael Haiden, der Chef von Raiffeisen Ware Wasserkraft, traut sich noch keine Aussage über die Auswirkungen der rot-weiß-roten Energielösung zu. Seine Befürchtung: Der Zuschlag für die Wasserkraft von 1,1 Euro je Megawattstunde, den der Verbund von der Allianz künftig erhalten soll, könnte auf die Haushaltskunden überwälzt werden. Dies sei komplett ausgeschlossen, es handle sich dabei um einen internen Zuschlag, der nicht bei den Endkunden landen werde, hatte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein bei der Präsentation des Stromdeals Ende April betont. Im Europavergleich recht gut Allerdings steigen Österreichs Haushalte bei einem Europa-Vergleich der Strompreise recht gut aus. Deutsche Haushalte müssen im Schnitt fast 100 € mehr im Jahr berappen. Was für beide Länder gilt: Im Jahr 2001 sind die Preise im Vergleich zu 2000 leicht gestiegen, in Österreich aufs Jahr gerechnet um 35 Euro. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 24.5.2002)