Canberra - Der Dalai Lama, Tibets geistliches und weltliches Oberhaupt im Exil, hat bei seinem Besuch in Australien das Bundesparlament in der Hauptstadt Canberra besucht, ist aber nicht mit Regierungsmitgliedern zusammengetroffen. Er dankte den Abgeordneten am Freitag für ihre Unterstützung in seinem Kampf für eine Autonomie Tibets, das er 1959 nach der blutigen Niederschlagung des Volksaufstands durch die chinesische Besatzungsmacht verlassen musste. "Mein Besuch hat keine politischen Gründe", betonte der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso. Dennoch will er nach eigenem Bekunden mit ranghohen Regierungsbeamten Menschenrechtsfragen erörtern. Während seines zehntägigen Aufenthalts in Australien wird es nach Regierungsangaben jedoch zu keiner Zusammenkunft mit Premierminister John Howard kommen. Beobachter wiesen darauf hin, dass ein solches Treffen einen Milliarden-Dollar-Vertrag über den Verkauf australischen Naturgases an die Volksrepublik China gefährden könnte. Der Dalai Lama hatte angekündigt, dass er nach seinem Tode nicht im besetzten Tibet oder einem anderen Gebiet unter chinesischer Herrschaft wiedergeboren wird. Wenn Tibet zu seinen Lebzeiten nicht mehr befreit werde, finde seine Wiedergeburt in einem anderen Land statt, das frei sei. Nach lamaistischer Lehre hat der Dalai Lama ("Ozean des Wissens") als Reinkarnation des Boddhisattwa Awalokiteshwara Einfluss auf den Ort und die Familie, in der er wieder zur Welt kommt. Der gegenwärtige Dalai Lama wurde 1935 im Laji-Gebirge südlich von Xining in der chinesischen Provinz Qinghai geboren und im Alter von zwei Jahren als Reinkarnation des 1933 verstorbenen 13. Dalai Lama erkannt und nach Lhasa gebracht. Am 22. Februar 1940 wurde er feierlich inthronisiert. Über die nach dem Dalai Lama zweithöchste tibetische Autorität, den Pantschen Lama, gibt es Streit. Peking lehnt den vom Dalai Lama als rechtmäßige Wiedergeburt des 1989 verstorbenen 10. Pantschen Lama anerkannten Knaben Gedhun Choekyi Nyima ab und hat einen Gegen-Pantschen-Lama bestimmt. Das UNO-Komitee für die Rechte des Kindes hat von der Volksrepublik bisher vergeblich Zugang zu Nyima gefordert.(APA/AP)