Wien - Die Diskriminierung von Homosexuellen im Schulbuch "Welt des Lebens 4" kritisieren die Grünen in einer parlamentarischen Anfrage. In dem für die 4. Klasse AHS zugelassenen Lehrbuch heißt es unter anderem, dass "das eigentliche Ziel des menschlichen Geschlechtslebens und seiner Erotik der andersgeschlechtliche Partner ist" und Homosexualität "eine biologische Fehlhaltung" sei. In der Anfragebeantwortung findet Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) nichts Diskriminierendes an den Formulierungen und meint, dass "die Fragen sachlich im Geiste gegenseitiger Achtung angesprochen" seien. "Die Selbstbefriedigung (Masturbation, Onanie) mag eine gelegentliche sexuelle Entspannung bringen, sollte aber stets nur eine Notlösung bleiben. Denn das eigentliche Ziel des menschlichen Geschlechtslebens und seiner Erotik ist der andersgeschlechtliche Partner", heißt es laut Grünen in dem Bio-Buch, und weiter: "Manchmal kommt es vor, dass Menschen zu einem gleichgeschlechtlichen Partner sexuelle Beziehungen entwickeln. Sie sind homosexuell. Bei Frauen spricht man von lesbischer Beziehung. Es ist dies eine biologische Fehlhaltung." Für den Grünen Bildungssprecher Dieter Brosz sind das Informationen, "die keineswegs dem wissenschaftlichen Stand entsprechen und als diskriminierend gegenüber Lesben und Schwulen einzustufen sind". Sie seien geeignet, lesbischen und schwulen Schülern die Annahme der Fehlerhaftigkeit ihrer Persönlichkeit nahe zu bringen und sie somit in ihrem Reifungs- und Bildungsprozess zu behindern anstatt zu unterstützen. Gehrer betont in ihrer Anfragebeantwortung dagegen, dass es in unserer pluralistischen Gesellschaft keine einheitliche Auffassung gebe. Leitvorstellungen der verschiedenen Gesellschaftsgruppen seien sachlich und im Geiste gegenseitiger Achtung zu diskutieren. "Ich glaube, dass in den genannten Schulbüchern die Fragen sachlich im Geiste gegenseitiger Achtung angesprochen sind", so Gehrer. Wie die Ministerin weiter erklärte, ist im Schuljahr 2002/2003 eine Neuauflage des 1988 approbierten Buches vorgesehen. Die endgültige Formulierung werde nach einer neuerlichen Beurteilung durch eine Gutachterkommission festgelegt. (APA)