Klagenfurt - Psychosomatische Erkrankungen nehmen an Zahl und Intensität zu. Depression ist drauf und dran, Volkskrankheit Nummer eins zu werden. Der Drogenkonsum steigt, selbst Kinder sind zunehmend suizidgefährdet, die Bereitschaft zu Gewalt nimmt zu. Vorfälle der vergangenen Tage sprechen eine deutliche Sprache: Immer mehr Menschen sind dem zunehmenden Leistungsdruck, dem Perfektionswahn und dem Konkurrenzkampf nicht mehr gewachsen und bräuchten fachliche Hilfe. Doch die Betreuung psychisch Kranker hinkt den Anforderungen hinterher. Das wurde am Freitag am Rande des Halbjahrestreffens der Österreichischen Psychiatriekoordinatoren in Klagenfurt betont. Sie fordern vor allem eine rasche und konsequente Dezentralisierung bei den stationären Behandlungsmöglichkeiten, den Ausbau von Tageskliniken und Kriseninterventionen sowie mehr Möglichkeiten der Wiedereingliederung von Menschen mit psychischen Problemen in den regulären Arbeitsmarkt. Dies alles sieht ein Österreichweiter Psychiatrieplan zwar vor, doch die Länder in deren Kompetenz die Umsetzung fällt, sind bei der Ausführung unterschiedlich weit und setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Um auf der schwierigen Suche nach sinnvollen Lösungen einen Gedankenaustausch zu ermöglichen, treffen sich die Koordinatoren, die der österreichischen Psychiatrie neue Struktur geben sollen regelmäßig. Fall Kärnten In Kärnten etwa funktioniert eine Psychiatrische Not- und Krisenintervention seit sechs Jahren flächendeckend rund um die Uhr. Dies belegte der Obmann von pro mente Kärnten und Vorstand des Zentrums für seelische Gesundheit in Klagenfurt, Prim. Thomas Platz, mit Zahlen: Vier bis sechs Einsätze mit einer Einsatzzeit von sechs bis acht Stunden pro Tag. Platz: "Dieser Einsatz erspart häufig Zwangseinweisungen, weil der Kranke fachlich kompetent überzeugt werden kann, dass er psychische Hilfe braucht." Diesem Kärntner Modell stellte der Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien, Prof. Heinz Katschnig, ein gutes Zeugnis aus. Er ist an der Umsetzung des Niederösterreichischen Psychiatrieplanes beteiligt, unter seiner Leitung wird derzeit im Bezirk Hollabrunn ein solcher Notdienst aufgebaut. (APA)