Rom - Der erste Wahltest nach einem Jahr der italienischen Mitte-Rechts-Regierung Silvio Berlusconis hat keine größeren Machtverschiebungen gebracht. Nach den am Dienstag vorliegenden Ergebnissen der Kommunal- und Provinzialwahlen, an denen rund ein Viertel der italienischen Wählerschaft teilnehmen konnte, wurden das Mitte-Rechts-Lager und die Mitte-Links-Opposition in ihren Positionen bestätigt. Mitte-Rechts gewann in elf von 22 Provinzhauptstädten. Die Mitte-Links-Parteien siegten in sechs Städten. In fünf weiteren Städten sind am 10. und 11. Juni Stichwahlen erforderlich, weil kein Bürgermeisterkandidat die erforderliche absolute Mehrheit erhalten hat. Während Mitte-Links in Genua, der größten Stadt bei den Wahlen, einen überwältigen Sieg erzielte, verlor das Bündnis die Stadt Reggio Calabria an Mitte-Rechts. Stichwahlen in drei Provinzen Bei den Wahlen in zehn von 100 Provinzen verzeichnete Berlusconis Bündnis vier Siege. Drei Provinzen gingen an die Mitte-Links-Parteien, während in drei weiteren Stichwahlen stattfinden müssen. Innerhalb des Bündnisses der drei Regierungsparteien musste Berlusconi Stimmen an seine Partner Alleanza Nazionale und vor allem an die Lega Nord abgeben. Die Linke Mitte zeigte sich zufrieden, dass sie ihre Position nach der schweren Wahlniederlage im vergangenen Jahr stabilisieren konnte. Wegen Attentaten bisher ohne Bürgermeister Aufsehen erregte der Wahlsieg einer Frau in der kleinen Gemeinde Lula auf Sardinien. Der Ort war wegen ständiger Bombenattentate und Einschüchterungen 13 Jahre lang ohne Gemeinderat und Bürgermeister. Siegerin war jetzt die Rechtsanwältin Maddalena Calia, die eine Einheitsliste der Mitte-Rechten führte. 54 Prozent der 1500 Einwohner gingen zur Wahl. Calia versprach, sich für die Lösung der verschiedenen Konflikte in der Gegend einzusetzen, vor allem das Problem der Jugendarbeitslosigkeit anzugehen. Berlusconi-Lager zufrieden Beide Seiten des politischen Spektrums zeigten sich über die Ergebnisse zufrieden. "Viele Bürgermeister des Mitte-Rechts-Bündnisses wurden im Amt bestätigt, in einigen Fällen konnten wir uns sogar in Hochburgen des Mitte-Links-Blocks wie Parma behaupten. Obwohl es sich um einen lokalen Wahltest handelt, haben die Italiener bewiesen, dass sie der liberalen Politik der Rechten trauen", sagte der Koordinator der Berlusconi-Partei Forza Italia, Roberto Antonione, der die Wahloffensive der Regierungskoalition auf lokaler Ebene organisiert hat. Linke hofft nach tiefer Identitätskrise auf Neubeginn Auch die Opposition war mit dem Wahlergebnis mehrheitlich zufrieden. In Genua erreichte Bürgermeister Domenico Pericu eine fast 60-prozentige Stimmenmehrheit. "Die Linke beweist, dass sie sich erholt hat, sie zeigt konkrete Zeichen eines Aufschwungs", sagte der Chef der Linksdemokraten, Piero Fassino. Der oppositionelle Mitte-Links-Allianz hofft nach den Teilkommunalwahlen auf einen politischen Neubeginn nach mehreren Monaten tiefer Identitätskrise.(APA/dpa)