Mailand - Italiens größter Autobahn-Restaurationsbetreiber Autogrill hat eine Vorliebe für Österreich. Im Matrei am Brenner wird am 12. Juni offiziell das erste Pilotprojekt, die Autogrill-Autobahnraststätte eingeweiht. Sollte das Projekt, mediterrane Lebensart auf deutschsprachigen Autobahnen zu vermarkten, Erfolg haben, werden weitere eröffnet. Der Vorstandsvorsitzende von Autogrill, Livio Buttignol, bestätigte im Gespräch mit dem S TANDARD, dass das Konzept, italienische und österreichische Gastronomie nach Wahl anzubieten, bestens eingeschlagen habe. "Wir zählten in den ersten zwei Wochen nach der Inbetriebnahme wesentlich mehr Kunden, als wir erwarteten", sagte der Konzernchef und verwies darauf, dass die Strategie des italienischen Quasimonopolisten "nicht global, sondern multinational" sei. Vor allem das Pizza-Angebot könne man je nach Geschmack und nationaler Vorliebe differenziert gestalten.

Die mehrheitlich (57 Prozent) vom Benetton-Konzern kontrollierte Autogrill-Gruppe mit weltweit 4000 Outlets hat ehrgeizige Wachstumspläne. Zum Benetton-Konzern zählt nicht nur der größte Autobahnbetreiber Autostrade (bekam den Lkw-Mautzuschlag in Österreich), sondern auch Flughäfen (Rom, Turin) und der Betrieb großer Bahnhöfe. In Österreich werden möglicherweise auch die 1997 übernommenen Wienerwald-Raststätten, die derzeit unter dem Namen "Tourast" geführt werden, mit dem Autogrill-Label versehen. Zurzeit werden hierzulande 22 Mio. EURO umgesetzt, bei einem Gesamtumsatz von drei Mrd. EURO 2001. Heuer sind 3,26 Mrd. EURO angepeilt.

Weiter Appetit auf Rosenberger

Der Marktanteil in Österreich soll von derzeit rund zehn auf 40 Prozent steigen. Deswegen hat Autogrill die Hoffnungen, früher oder später zumindest einen Teil der Rosenberger-Raststätten zu übernehmen, nicht aufgegeben. Doch die Familie Rosenberger hat ihre einst gehegten Verkaufsabsichten revidiert.

Buttignol begnügt sich nicht nur mit der weltweiten Expansion und der Konsolidierung der Marke. Nach den USA und Kanada, nach Spanien, Frankreich, der Schweiz und Deutschland sollen auch der asiatische Markt und vor allem die osteuropäischen Länder in Angriff genommen werden. In Zukunft sollen vor allem neue Dienstleistungen das Angebot von "frischen Nahrungsmittel und mediterraner Gastronomie" ergänzen. Dem Manager schweben neue touristische Dienstleistungen, Informationen über den Autobahn-, Zug- und Flugverkehr vor. Vor allem sollen Internetcafés in die Raststätten integriert werden.

In den mehr als zwanzig Staaten, wo Autogrill präsent ist, werden ausschließlich nationale Führungskräfte eingesetzt. "Die heimischen Manager haben bessere Erfahrung am Inlandsmarkt", so Buttignol. Sein Konzept hatte bisher Erfolg. Autogrill zählt zu einem der wenigen Titel an der Mailänder Börse, die seit Jahresbeginn zulegten. (Thesy Kness-Bastaroli, Der Standard, Printausgabe, 27.05.2002)