Wien - Das vergangene Jahr war "das dramatischste Jahr in der über hundertjährigen Unternehmensgeschichte" des heimischen Weltmarktführers bei der Herstellung von feuerfesten Produkten, RHI. Das will Helmut Draxler, seit Mitte Jänner Vorstandschef des schwer angeschlagenen Feuerfestriesen, in diesem Jahr vergessen machen. Und strebt positive Zahlen beim Betriebsergebnis (Ebit) und beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) an. Das Ebit solle heuer bei 70 Millionen Euro liegen, das EGT bei 40 Mio. Euro, sagte Draxler.Die verlustbringenden, asbestgepeinigten US-Töchter seien komplett wertberichtigt. Diese hatten auch die österreichische Mutter im vergangenen Jahr an den Rande des Abgrundes gebracht. Die Bilanz sieht dementsprechend aus. Allerdings blieben die Verluste mit 856,4 Mio. Euro noch leicht unter den zu Jahresbeginn prognostizierten 870 Mio. Euro. Das Ebit rutschte von 95,7 Mio. Euro auf minus 71,5 Mio. Euro. Schuldenberg Wie berichtet häufte der Konzern bei den Banken einen Schuldenberg von über einer Milliarde Euro an. Finanzvorstand Eduard Zehetner berichtete am Dienstag, derzeit stünde RHI mit 445 Mio. Euro bei den Banken in der Kreide. Allein im ersten Quartal seien 110 Mio. Euro abgebaut worden, auch dank Rückflüssen aus den USA. Zudem habe die Wandelanleihe zwar nicht die angepeilten 144 Mio. Euro, aber immerhin 115 Mio. Euro gebracht. Unter den Zeichnern der Anleihe war auch der Vorstand mit vier Mio. Euro, "als Zeichen dafür, dass wir an die Zukunft von RHI glauben", so Draxler. Macht mit dem schon vorher bewilligten Mezzaninkapital von 400 Mio. Euro unter dem Strich 445 Mio. Euro Schulden statt anfangs 1,07 Mrd. Euro. Abhängigkeit Trotzdem: Das Geschäft bleibt von der unter Druck stehenden Stahlindustrie abhängig. Im ersten Quartal sei nur China überproportional gewachsen, ansonsten sei die Rohstoffproduktion im Kerngeschäft Feuerfest um fünf Prozent gesunken. Aber trotz der schlechteren Rahmenbedingungen als im Vorjahr sei die Ebit-Marge von 4,1 Prozent auf 8,9 Prozent geklettert. Im Bereich Dämmen - Heraklith - sei das Restrukturierungsprogramm im Plan. Heraklith erzielt 50 Prozent des Umsatzes in Deutschland, bis Jahresende wird das Werk in Sperenberg bei Berlin geschlossen. Von insgesamt 1080 Mitarbeitern müssen 135 gehen, 60 davon in Sperenberg, der Rest in Ferndorf. In den Endverhandlungen ist RHI beim Verkauf des Anlagenbaus sagte Zehetner. Den Rollentausch des bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Gerd Peskes mit seinem Vize Michael Gröller begründete Draxler damit, dass Peskes seit seiner Bestellung im Februar diese als vorübergehende Funktion gesehen habe. (este, DER STANDARD, Printausgabe 29.5.2002)