Berlin - Die SPD hat Äußerungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zurückgezogen, in denen er den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf eine Stufe mit dem FPÖ-Politiker Jörg Haider und dem französischen Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen gestellt hatte. Die SPD strich am Dienstag einen zuvor auf ihrer Internet-Seite verbreiteten Satz Schröders: "Wir werden nicht zulassen, dass dieses Europa Leuten wie Berlusconi, Haider, Le Pen oder sonst wem in die Hände fällt." Er war in einer Rede enthalten, die Schröder der Internet-Seite zufolge auf einer internen Parteikonferenz am 13. Mai gehalten und die von der SPD später in Auszügen veröffentlicht wurde. Auch der Informationsdienst "blick nach rechts" widerrief eine entsprechende Äußerung aus einem Gastbeitrag des Kanzlers mit der Begründung, der Verweis auf Berlusconi sei nicht abgestimmt gewesen. In der für Donnerstag geplanten Veröffentlichung von "blick nach rechts" heiße es stattdessen, "wir lassen nicht zu, dass dieses Europa rechten Populisten in die Hände fällt". Eine SPD-Sprecherin sagte, der Gastkommentar Schröders habe auf der Rede beruht. Die ursprünglich ins Internet gestellte Fassung sei jedoch nicht von Schröder autorisiert worden. Noch am Morgen war der Satz mit dem Verweis auf Berlusconi auf der Internet-Seite der SPD zu finden. Auch bestätigte die SPD-Pressestelle zunächst, dass die Äußerung auf der Parteikonferenz so gefallen sei. Die Überschrift im Internet lautete: "Auszüge aus der Rede des Parteivorsitzenden Gerhard Schröder auf der Parteikonferenz, Berlin, 13.05.2002". Nach ersten Medienberichten wurde der Satz jedoch ersatzlos gestrichen. Die Bundesregierung wollte zu dem Vorfall keine Stellung nehmen und verwies auf die SPD. Schröder traf am Dienstag mit Berlusconi im Rahmen des NATO-Russland-Gipfels bei Rom zusammen. In der Vergangenheit war das Verhältnis Schröders zu dem italienischen Ministerpräsidenten wiederholt als schwierig bezeichnet worden. Die Bundesregierung hatte Berlusconi etwa für Bemerkungen kritisiert, in denen der Italiener die westliche Kultur als dem Islam überlegen dargestellt hatte. Auch hatte sich Schröder gegen einen Einstieg des von Berlusconis Familie kontrollierten Konzerns MediaSet bei der krisengeschüttelten Kirch-Gruppe ausgesprochen.(APA/Reuters)