Nach der geplanten ORF-Programmreform soll es nicht nur "Betrifft" in bisheriger Form nicht mehr geben: Nach Informationen des STANDARD plant man, sich nach gut 21 Jahren von der Marke "Kunst-Stücke" zu trennen.Offizielle Bestätigungen stehen aus, intern wird Widersprüchliches kolportiert. Diskutiert wird derzeit über jenes neue Programmschema, das die Stiftungsräte des ORF in der zweiten Junihälfte absegnen sollen. Im Spätherbst dürften Neuerungen für das Publikum sichtbar werden. Der Name "Kunst-Stücke" wird infrage gestellt Nach einer weiteren Debatte über das Schema heißt es einerseits, die der Kultur zugeordnete Sendefläche bleibe als solche bestehen, alleine der Name "Kunst-Stücke" werde infrage gestellt. Andererseits wird kolportiert, der Programmplatz für modernere Kultur und Programmexperimente werde durch ein neues Jugendmagazin ersetzt, wie es ORF-Spitzen von Generalin Monika Lindner abwärts mehrfach angekündigt haben. Die Nachfolgesendung sollen Mischa Zickler (früher FM4, "nitebox", "Taxi Orange") und Dodo Roscic ("Taxi Orange") konzipieren, hört man vom Berg. Argument für einen Abschied von den "Kunst-Stücken" in ihrer bisherigen Form könnten die Quoten gewesen sein: In der Vorwoche etwa waren Donnerstag spätabends in ORF 1 zwischen 61.000 und 21.000 (schon nach Mitternacht) dabei. Der Marktanteil bewegte sich zwischen neun und elf Prozent - also der von Saison, Wetterlage und Uhrzeit unabhängige Anteil an all jenen, die gerade fernsehen. Lange ist es allerdings auch her, dass Jugendsendungen im ORF für Quote gut waren. Offenbar mangels Erfolg eingestellt wurden zum Beispiel
  • "One" (im zweiten Anlauf unterstützt von den Videozwillingen Dolezal/Rossacher) mit Elke Winkens und Andrea Wieser anno 1998;
  • die 1997 gestartete "nitebox" mit dem Handicap des ausgehträchtigen späten Freitagabends, ORF-Berater wie auch nun: Matthias Schweger;
  • "E-Motion" am Mittwochabend nebst am Samstagnachmittag "Twinside" und "Liebe u.s.w" anno 1995.
Davor und dazwischen gab es: "X-Large", "Nightline", "Extra", "Monte Video", "Generation X", "Ö3 for You", "Inside", "Die Box", "Eurodays". Und lange davor "Okay" sowie das von Generalin Lindner als Vorbild ins Spiel gebrachte "Ohne Maulkorb". (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 29. Mai 2002)