Wien - Zwischen den Grünen und den christlichen Kirchen gebe es in sozialen Fragen sehr viele Gemeinsamkeiten, erklärte der Grüne Sozialsprecher Karl Öllinger nach einer Aussprache am Mittwoch im Parlament. "Ich bin froh, dass die Kirchen einen starken Sozialstaat einfordern. Dass sie von der Notwendigkeit einer Grundsicherung und von einem Mindestlohn sprechen", so Öllinger. Die Kirchen hätten gerade in diesem Bereich oft den längeren Atem. So könnten sie auch immer wieder die politischen Parteien dazu bringen, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Zu dem, was den 14 christlichen Kirchen Österreichs gelungen ist, nämlich die Erstellung eines gemeinsamen Sozialberichtes, wären die vier politischen Parteien nicht fähig, meinte der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz nach einem Gespräch von Grünen Politikern mit Verantwortlichen für das Projekt "Sozialwort". "Ich bin froh über den begonnen Dialog. Wir wollen ihn fortsetzen und können viel dabei lernen", stellte Van der Bellen fest. Im Zentrum des Gesprächs, das im Grünen Klub im Parlament stattfand, wären die drei Hauptthemen "Sozialstaat, Grund- und Menschenrechte sowie Bildung" gestanden, erklärte Christine Gleixner, Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich. Sie, Gleixner, freue sich sehr, dass die Grünen nicht einfach eine schriftliche Stellungnahme verfasst hätten, sondern zu einem Dialog bereit gewesen seien. Der Sozialbericht, der sich gerade in der Diskussionsphase befinde, solle im nächsten Schritt zu einem "Sozialwort" werden. Dabei handle es sich nicht um einen Hirtenbrief, betonte Gleixner. Bischof Herwig Sturm, Evangeliche Kirche AB, sieht einen weiteren Aspekt in der Beziehung zur Politik: "Für uns Kirchen ist es ganz wichtig, das, was wir tun, im Gespräch mit den politischen Parteien zu prüfen." Sturm sieht sich dem Ziel verpflichtet, allen Mitgliedern der Gesellschaft Zugang zur Mitgestaltung der Lebensbedingungen zu ermöglichen. Dabei solle der Staat zur Lobby für die Armen werden. Sturm nannte drei klare Linien im Sozialbericht, für die die kirchlichen Initiativen eintreten: Gesetzlicher Schutz vor Armut, Rechte vor Almosen sowie Nächstenliebe und Solidarität. Für Van der Bellen soll es eine klare Trennung zwischen Kirchen und Tagespolitik geben. "Wenn sich die Kirchen zu allem und jedem in der Tagespolitik zu Wort melden, dann werden sie bald ihren langen Atem verlieren." Zu zentralen Themen, wären aber deutliche Stellungnahmen der Kirchen wünschenswert. Was mit den Grünen, der SPÖ und der ÖVP gelungen ist, nämlich Zusammentreffen zu organisieren, habe bisher mit der FPÖ nicht wirklich stattgefunden. "Wir haben alle vier Parteien in gleicher Weise, ja mit gleichem Wortlaut zu Stellungnahmen und Gesprächen geladen", stellte Gleixner fest. Sie habe aber jetzt noch einmal einen Vorstoß unternommen, um mit der FPÖ zu Gesprächen zu finden. (APA)