Selbstverständlich ist es notwendig, darauf zu verweisen, wie sehr sich die endlich an die Futtertröge der Macht gelangte FPÖ genau in der Art und Weise voll frisst, die sie den "Altparteien" über Jahrzehnte hinweg vorgeworfen hat. Natürlich muss es dem "kleinen Mann", für den sie angeblich in den Kampf gegen "die da oben" gezogen ist, eine ungeheure Befriedigung bereiten, endlich seine gewählten Mandatare bis über die Ohren in diesen Trögen versinken zu sehen.

Daneben aber verweist gerade der Fall des Nationalratsabgeordneten Reinhart Gaugg exemplarisch auf ein strukturelles Machtverständnis der FPÖ, in dem die prinzipielle Bereitschaft zur Korrumpierbarkeit, die politischen Parteien allgemein gerne unterstellt wird, nur ein Teilaspekt ist. Wie Gaugg und sein politischer Ziehvater Jörg Haider damit umgehen, sollte die freiheitlichen Stammwähler aufmerken lassen. Dass Gaugg sowohl in der Pensionsversicherungsanstalt als auch als Abgeordneter abkassieren will, sei ihm unbenommen. Er tut damit nichts anderes als die "roten Bonzen", gegen deren Mehrfachbezüge er und Haider stets gewettert haben. Willkommen im Klub.

Beachtlich aber ist die Unverfrorenheit der Argumentation: Gaugg sei schließlich als "Manager" bei der PVA im Gespräch, nicht als Funktionär, meinte Haider sinngemäß. Und als solcher dürfe er ruhig im Nationalrat bleiben, wenn sein "Leistungspaket" ihm dazu Zeit lasse. Also wäre, folgt man dieser Logik, eines von beiden ein Teilzeitjob: entweder der im Parlament oder der in der PVA, in deren Hierarchie sich Gaugg an zweiter Stelle einreihen soll. Daraus spricht ein Staats- und Wirtschaftsverständnis, das der Operette entnommen ist, in die sich Österreich unter dem Dirigat der FPÖ zu verwandeln beginnt: Wenn man's kann ungefähr, ist's nicht schwer, ist's nicht schwer.

(DER STANDARD, Printausgabe, 31.5.2002)