Der Mediatorennachwuchs kommt aus den verschiedensten Berufsgruppen. Obwohl der Weg zum Mediator teilweise gewisse Ähnlichkeiten mit dem zum Therapeuten hat, sind die Psychologen nicht in der Überzahl.Im Prinzip steht die Ausbildung allen Berufsgruppen offen. Juristen, Wirtschaftswissenschafter, Lehrer oder Sozialarbeiter wollen besonders gerne Mediatoren werden. Aber auch Ingenieure oder Ziviltechniker finden sich in den Weiterbildungsinstituten. "Sie tun sich aber etwas schwerer", beschreibt Andrea Komarek, Mediatorin und Ausbilderin aus Wien, ihre Erfahrungen: "Sie lassen sich am Anfang nämlich weniger auf emotionale Ansätze der Konfliktbewältigung ein". Unternehmens-Phänomene In Komareks Lehrgängen finden sich nicht nur Interessenten, die später als Freiberufler ihren Lebensunterhalt mit Mediation verdienen wollen. Auch Unternehmen schicken Mitarbeiter dort hin, damit sie in der Firma helfen können, Konflikte zu lösen. Streitfälle, die niemals vor Gericht enden sollten - oder könnten - gibt es in den Betrieben ja genug: Teams, die nicht kooperieren, unsensible Chefs, renitente Angestellte oder das berüchtigte Phänomen Mobbing. Gesetzliche Ausbildungsregeln für Mediatoren sind erst in Vorbereitung. Der "Österreichische Bundesverband der MediatorInnen" (ÖBM) verlangt von seinen Mitgliedern aber unter anderem eine dreisemestrige Ausbildung und Supervisionen. Das Mindestalter für den Mediatorennachwuchs beträgt 28 Jahre, denn schließlich verlangt Schlichtungskompetenz auch eine gewisse Lebenserfahrung. (jwo/DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2002)