Vor kurzem erst diskutierten wir uns hier in der Redaktion den Wolf anlässlich der frisch erschienenen - und ganz wertneutral ausgedrückt: überragenden - Solo-CD von Bernadette la Hengst: "Der beste Augenblick in deinem Leben". (siehe hier) Puristen, denen nichts ins heilige Jungs-Dreigestirn Tocotronic - Blumfeld - Sterne dazwischengeraten darf, mögen ob unserer Wertung erbost sein ... aber Leute: diese Frau hat als Zeitgenossin etwa von Bernd Begemann schon Fundamentarbeit für den künftigen Erfolg einer (nord-)deutschen Indie-Szene geleistet, als ein Gutteil der heutigen Konzertbesucher noch kaum den Windeln entwachsen war. Erst bei den Gitarrenpoppern von "Huah", dann als Frontfrau der rockiger veranlagten Formation "Die Braut haut ins Auge". Seit längerem fördert sie außerdem andere Bands - so etwa die Riot Grrrl-Band "Parole Trixi". Für ihr spätes Solo-Debüt konnte Bernadette la Hengst daher auf die volle Bandbreite dessen zurückgreifen, was gemeinhin als Indie bezeichnet wird. Sie gießt Elemente aus Pop, Rock und Dance in eine bemerkenswert eingängige Form - ideales Transportmittel für Texte, die das Private politisch und die Politik poetisch machen. Es ist leichter unglücklich zu sterben als Ungeziefer loszuwerden. Der Kampf endet nie. Thomas Meinecke soll sie die "beste weibliche Stimme Deutschlands" genannt haben - und wir fügen dem nur hinzu: es heißt immer noch die Revolution. (Josefson)