Bregenz - Die vergangene Woche im Ministerrat beschlossene Krankenkassensanierung sorgt in Vorarlberg weiterhin für eine Welle der Empörung in Politik und Bevölkerung. Die Vorarlberger Gebietskrankenkasse VGKK wird Ende der Woche eine Unterschriftenaktion gegen die "Zwangsdarlehen" der gesunden an die defizitären Krankenkassen starten. Unterstützt wird sie dabei von der Vorarlberger ÖVP, der Landes-FPÖ, der Arbeiterkammer Vorarlberg, dem Gewerkschaftsbund und der Wirtschaftskammer. "Mehr politischen Druck als die Aussage des VGKK-Obmanns alleine", erwartet sich VGKK-Obmann Wieland Reiner von der geplanten Aktion, wie er heute, Montag, im Gespräch mit der APA betonte. Das Echo der Vorarlberger Bevölkerung auf die geplanten Zwangsdarlehen des Bundes sind laut Reiner enorm. "Ich fühle mich sowohl von den Vorarlbergern als auch von der Landesregierung sehr gut unterstützt, sagte der VGKK- Obmann im APA-Gespräch. Ende der Woche sollen die Unterschriftenlisten der Krankenkasse über Zeitungen, über die Parteiorganisationen der FPÖ und der ÖVP, sowie über Kammern und den Gewerkschaftsbund verbreitet werden. Damit ruft die VGKK alle Versicherten auf, mit ihren Unterschriften dafür einzutreten, dass "die von ihnen angesparten Krankenversicherungs-Beitragsreserven für schlechte Zeiten im Land bleiben." Als Ergebnis der Aktion wünscht sich Reiner "mehr als 10.000 Unterschriften". Sollten diese dennoch kein Echo in der Bundespolitik hervorrufen, werde die VGKK mit Sicherheit weitere rechtliche Möglichkeiten "bis hin zum Gesetzesprüfungsantrag" in Erwägung ziehen, betonte Reiner. Von der Garantie der Bundesregierung, dass die Gelder 2005 mit Sicherheit zurückgezahlt würden, hält Reiner nicht viel: "Wenn 2005 kein Geld mehr in System ist, wie sollen dann Darlehen an fünf Institute zurückbezahlt werden." Regierungsgarantien mit Vorsicht zu genießen Skeptisch, was die Rückzahlungsgarantie der Bundesregierung betrifft, zeigte sich Montag auch der Vorarlberger ÖVP-Klubobmann Gebhard Halder. "Die von der Bundesregierung gegebenen Garantien sind mit Vorsicht zu genießen" betonte Halder heute am Rande einer Pressekonferenz in Bregenz. Sicherer und wichtiger sei es seiner Meinung nach, die Gelder am freien Kapitalmarkt aufzunehmen. Diesbezüglich habe er auch die Zusage des Vorarlberger Nationalratsabgeordneten Gottfried Feurstein eingeholt, dieses Thema in Wien in die Diskussion ein zu bringen. Gespräche mit Klubobmann Andreas Khol zum Thema Krankenkasse seien bisher allerdings erfolglos geblieben. Heftige Kritik an Landeshauptmann Herbert Sausgruber (V) und an Landesstatthalter Hubert Gorbach (F) kommt heute von den Oppositionsparteien SPÖ und Grüne. Als "Robin Hoods Vorarlbergs" bezeichnete etwa die grüne Landtagsabgeordnete Sabine Mandak die beiden Politiker in einer Aussendung. Sausgruber und Gorbach würden sich jetzt gegen die Plünderung der VGKK wehren und damit reichlich Lob kassieren. In Wirklichkeit seien es aber ihre eigenen Parteien, die das Geld unter dem Motto Nulldefizit eintreiben, kritisierte Mandak. Die Gesundheitssprecherin der SPÖ Vorarlberg, Elke Sader, forderte Sausgruber und Gorbach in einerAussendung auf, ihre Ländervertreter im Nationalrat anzuhalten, gegen das entsprechende Gesetz zu stimmen. Sollte dies nicht geschehen, stünde es "mit der Durchsetzungskraft der beiden Landespolitiker nicht mehr zum Besten". (APA)