Grenzschützer mit Europaflagge auf dem Ärmel bleiben vorerst Zukunftsmusik. Von einem künftigen europäischen Grenzschutzkorps, in dem multinational besetzte Einheiten an Europas Außengrenzen patrouillieren, träumt zwar die EU-Kommission. Die Mitgliedstaaten wollen hier aber nicht das Heft aus der Hand geben. Sie setzen bei der Grenzpolizei auf Koordination und Kooperation bei der Abwehr illegaler Einwanderer.Im Vorfeld des Sevilla-Gipfels führten die EU-Innenminister die verschiedenen Vorschläge für die Sicherung der europäischen Grenzen zusammen: den weitreichenden der Brüsseler Kommission und die konservativeren der italienischen, der österreichischen, belgischen und finnischen Regierung. Heraus kam eine Vorlage, die so gestrickt ist wie alle, die statt auf europäische Integration auf staatliche Koordination setzen. Netzwerke, Kontaktstellen, Datenaustausch heißen nach dem Willen der EU-Staaten die wichtigsten Säulen für den Schutz von Europas Grenzen: Die Grenzpolizeien sollen in Verbindung bleiben und sich zum Beispiel gegenseitig über gefälschte Ausweispapiere informieren. Vorgesehen sind aber auch vergleichbare Standards in der Ausbildung und Ausrüstung. Zudem soll ein neues Praxishandbuch für die tägliche Arbeit der Grenzwächter erarbeitet werden. Erst auf lange Sicht ist an gemeinsame Grenzpolizei- Dienststellen in sensiblen Gegenden, den Aufbau einer schnellen Eingreiftruppe und den Einsatz des geplanten EU-Satelliten-Navigationssystems Galileo bei der Grenzüberwachung gedacht. Noch offen ist die Frage der künftigen Lastenverteilung zwischen den Mitgliedstaaten. Dabei ist es offensichtlich, dass in den Ländern an den Rändern der Union viel höhere Kosten anfallen als in den Ländern im Inneren. Lastenausgleich Österreichs Innenminister Ernst Strasser weist daher nicht nur darauf hin, dass Wien seine entsprechenden Aufwendungen bisher allein bestreitet - 130 bis 145 Millionen Euro jährlich. Er tritt auch dafür ein, dass den Ländern an den künftigen Außengrenzen solidarisch geholfen wird: "Wir wollen einen Lastenausgleich, auch wenn wir wissen, dass wir mittelfristig ein EU- Binnenland sein werden."(Der STANDARD, Printausgabe, 20.6.2002)