+ + + PRO Claus Philipp Sorry, der folgende Text beruht auf einem Missverständnis. Eigentlich dachte ich, man benötigt an dieser Stelle hier ein "Pro" zum Thema "kühl" - was mich eh schon gewundert hat, weil: Wer ist derzeit "contra kühl"? Aber nein, wurde ich dann, nachdem ich bereits eine "Ode auf kühl" verfasst hatte, zurückgepfiffen. Nicht "pro kühl", sondern "pro Kühltasche"! Dabei hatte ich noch niemals eine Kühltasche. Ich meine, wenn jetzt eine Kühltasche neben mir stünde, und sie wäre inwendig so richtig kühl, ja vielleicht sogar kalt, dann hätte diese Kühltasche sofort meine Unterschrift. Meine Füsse täte ich in diese Kühltasche versenken. Vielleicht würde ich sie sogar aufsetzen, die Kühltasche, weil mir auf dem Kopf auch sehr heiß ist. Aber: Ich habe keine. Das tangiert nun wiederum die RONDO-Redaktion überhaupt nicht. Die sagen: Wegen dir schreiben wir ein herrliches "contra Kühltasche" nicht mehr in ein "contra kühl" um. Und überhaupt: Wer wäre heute "contra kühl"? Das sag ich ja auch, sag ich. "Contra kühl": Lächerlich! "Contra heiß" hingegen: Jederzeit! "Pro Kühltasche" wiederum, sage ich, würde ich gerne schreiben, aber wie soll ich, wenn ich noch nie eine besessen habe - und vermutlich auch nie besitzen werde, weil ich nicht einmal weiß, wo man die kriegt? Außerdem, sage ich, kann man Bier und Limonade auch in eiskaltem Bergsee-Wasser kühlen. Wie wäre es also mit einem "pro eiskalter Bergsee"? Obwohl: Für frische Tomatenbrote ist ein Bergsee nicht so gut: Die Brote schwimmen immer weg - wie ich jetzt auch gleich: Schwitz! Ein Bergsee am Kopf: Das wäre super.
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- - - CONTRA Markus Mittringer Natur und Kultur sind mir gleich lieb. Als großer Freund der Natur meide ich Orte ohne Wirt. Als großer Freund der Kultur frequentiere ich nur Orte mit Wirt. Und grundsätzlich ist mir jegliche Art von Materialtransport zuwider. Dem Abhilfe zu schaffen, hat die Kultur ja den Wirt hervorgebracht. Die gemeine Kühltasche, die manche als Alternative zur anständigen Ausschank mit sich herumschleppen, schadet der Natur und bedroht gleichzeitig die Kultur. Multipel einsetzbar, zeitigt sie allerorts fatale Auswirkungen. Zunächst will der hässliche Koffer auf Betriebstemperatur gebracht werden. Als Koffer kann er das natürlich nicht selber. Woraus folgt, dass jeder vernünftigen Wodka-Vorratshaltung in den Polzonen des Foodcenters dutzende Kühl-Akkus im Weg liegen. Bevor man den Koffer dann überhaupt füllen kann, will alles beim Greißler kühl Erworbene solange heim geschleppt werden, bis es warm genug ist für eine Zwischenkühlung. Endlich wieder kalt, wollen die Biere dann blitzartig, vereint mit vorpanierten Schnitzeln und leckenden Plastikgebinden voller abgestandenem Wurstsalat, endlich in die Tasche. Und die will samt Schlauchboot, Klappbetten und Rätselkrone ins Auto, mit dem man sich dann Richtung Naturschutzgebiet staut, um dort, Stunden später, das Vergnügen zu haben, ein paar gefährdeten Arten endgültig den Garaus zu machen, ein warmes, aber gut geschütteltes Bier zu trinken, und anschließend in den Waldsee zu schiffen. (derStandard/rondo/28/06/02)