Berlin - Als vor 31 Jahren 374 deutsche Frauen mit Bild und Unterschrift in der Illustrierten "stern" die ersatzlose Streichung des Paragrafen 218 forderten, stand der Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich unter Strafe. Indikationsmodell in der BRD 1974 konnte dann unter der sozialliberalen Regierung mit knapper Mehrheit ein Fristenmodell verabschiedet werden, das die Abtreibung innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen zuließ. Doch bereits ein Jahr später wurde diese Regelung vom Verfassungsgericht wieder verworfen. Der Schutz des ungeborenen Lebens sei damit nicht gewährleistet, so die Richter. Die Einschränkung folgte per Fuß mit dem 1976 beschlossenen Indikationsmodell, das die Abtreibung aus medizinischen und sozialen Gründen in den ersten drei Monaten straffrei ließ. Fristenregelung in der DDR Die deutsche Vereinigung 1989 erforderte dann eine Neufassung: Denn die DDR hatte die seit 1972 geltende Fristenregelung beibehalten. 1992 wurde die "Lösung" in einer Fristenlösung mit Beratungspflicht gesehen. Doch schon Monate später wurde auch dieses Modell als verfassungswidrig erklärt. Das neue Ergebnis war eine Übergangsregelung: Danach war die Abtreibung zwar rechtswidrig, in der Regel aber straffrei, wenn sich die Frau wenigstens drei Tage vor dem Abbruch bei einer anerkannten Beratungsstelle beraten ließ. 1995 beschloss der Bundestag dieses Modell. Beratungspflicht im Vereinigten Deutschland Doch auch nach 31 Jahren permanenten Kampfes ist die Debatte nicht abgeschlossen. Die Deutsche Gesellschaft für Familienplanung "Pro Familia" fordert weiterhin und hartnäckig die Streichung des Paragrafen 218. Die neue Regelung sei weit davon entfernt, "dem Menschenrecht auf Familienplanung und dem Selbstbestimmungsrecht der Frau" Rechnung zu tragen. Die im Gesetz verankerte Pflicht zur Beratung lehnt der Verband ab. (AP/red)