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Bonn - Mit einem mehrjährigen Forschungsprojekt wollen amerikanische und deutsche Wissenschafter gemeinsam die Entstehung psychischer Störungen aufklären. Zu diesem Zweck wollen die Mediziner der Universitäten Yale und Bonn in den kommenden fünf Jahren die so genannten kognitiven Filter im Gehirn lokalisieren, die für die Auswahl der eingehenden Sinnesreize verantwortlich sind. Das menschliche Gehirn filtert gewöhnlich aus der Flut der eingehenden Reize automatisch die wichtigen Informationen heraus, damit unwichtige Signale gar nicht erst ins Bewusstsein gelangen. Müsste das Gehirn diese Entscheidung für jeden einzelnen Reiz bewusst treffen, wäre es völlig überlastet. Während des Projekts wollen die deutschen Forscher unter anderem mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) die elektrischen Spuren der kognitiven Filterprozesse aufzeichnen und untersuchen. Reiz - Reaktion So löst ein akustischer Reiz wie ein einfaches Klickgeräusch etwa nach 50 Millisekunden ein elektrisches Signal aus, das P50 genannt wird. Wiederholungen des Geräusches rufen gewöhnlich nur noch eine kleinere P50-Reaktion hervor. Dieser Filter ist nach Angaben des Bonner Epileptologen Thomas Grunwald bei vielen Schizophrenie-Patienten gestört, aber auch bei 50 Prozent ihrer gesunden Verwandten. Daher vermuten Wissenschafter einen genetischen Hintergrund der Störungen, der in einer Region der Chromosoms 15 liegen könnte. Bei dem laufenden Projekt nutzt die Bonner Klinik für Epileptologie auch den Umstand, dass manche Epilepsie-Patienten vor einer Hirnoperation Elektroden am oder im Gehirn eingepflanzt bekommen, um den Ursprungsort der Anfälle zu lokalisieren. Mit Hilfe dieser Elektroden wollen die Wissenschafter nun auch die Gehirnregionen ausfindig machen, die für die kognitiven Filterprozesse verantwortlich sind. Dazu werden die Patienten gebeten, sich während einiger Minuten Klickgeräusche anzuhören. Die dadurch ausgelösten elektrischen Reaktionen werden aufgezeichnet. Die spätere Auswertung soll dann dazu beitragen, den anatomischen und elektrophysiologischen Hintergrund psychischer Störungen aufzuklären. Die US-Gesundheitsbehörde NIH unterstützt die Arbeit der deutschen Forscher mit 500.000 Dollar. (APA/AP)