Wien - "Die Logik der Forschung", "Das Elend des Historizismus", "Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde" und "Das Ich und sein Gehirn" zählen zu den wichtigsten Werken von Sir Karl Popper. "Die Logik der Forschung", Poppers erstmals 1934 erschienene Auseinandersetzung, wird wegen der darin enthaltenen Etablierung des "Falsifikationismus" als Poppers Hauptwerk angesehen. Popper setzt sich in dieser Schrift mit den Methoden der Wissenschaft auseinander. In kritischer Distanz zum logischen Positivismus des Wiener Kreises propagiert Popper den Falsifikationismus, d. h., dass die Unterscheidbarkeit einer wissenschaftlichen von einer nicht-wissenschaftlichen Theorie nicht in der Verifizierbarkeit, sondern in der Falsifizierbarkeit liegt. Falsifizierbarkeit liegt dann vor, wenn Theorien experimentell überprüfbare Aussagen machen. Wissenschaftlicher Fortschritt liege nicht in der Anhäufung von bestätigenden Beobachtungen für eine Theorie, sondern im Verwerfen schwacher Theorien, auch wenn nur eine einzige Beobachtung nicht mit ihr übereinstimmt. Beitrag zum Zweiten Weltkrieg "Das Elend des Historizismus" (1944/45) sah Popper, ebenso wie "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" (1944/45), als seinen Beitrag zum Zweiten Weltkrieg. In der erstgenannten Schrift verwarf Popper die Idee, dass die Geschichte einen zwingenden Ablauf auf ein (positives oder negatives) Ziel hin vollzieht, und damit auch die auf dieser Idee aufgebauten philosophischen Systeme, die vor allem im Deutschland des 19. Jahrhunderts florierten. Damit einher geht Poppers strikt ablehnende Kritik an den allumfassenden, totalitären Systemen mit ihren wie auch immer gearteten Heilsversprechungen für die Menschheit wie Marxismus, Nationalsozialismus, Faschismus. Popper plädierte hingegen für eine "schrittweise" Verbesserung der sozialen Systeme im Kleinen ("piecemeal engineering"). Die zwei Bände der "Offenen Gesellschaft" (I: "Der Zauber Platons"; II: "Falsche Propheten. Hegel, Marx und die Folgen") konkurrieren mit der "Logik der Forschung" um den Status als Poppers Hauptwerk, wobei die "Offene Gesellschaft" durch ihre sozialphilosophisch-gesellschaftliche Orientierung wohl Wirkung auf eine breitere Öffentlichkeit erlangte. Popper fasste den Entschluss, das Buch zu schreiben, an dem Tag, als Hitler in Österreich einmarschierte. Er zeigt in der "Offenen Gesellschaft" historizistische, antidemokratische und autoritäre Züge in den Denksystem von Platon, Hegel und Marx. Popper warf Hegel und Marx deren orakelhafte, verschleiernde Sprache vor, die sich der falsifizierenden Überprüfung zu entziehen suche. Poppers Kritik vor allem an Hegel stieß bei anderen Philosophen jedoch auf strikte Ablehnung. Fehlerkorrektur Die Aufsatzsammlung "Vermutungen und Widerlegungen" (1963) beschäftigt sich mit den Möglichkeiten eines Wachstums der wissenschaftlichen Erkenntnis, die Popper vor allem in der "Trial and Error"-Methode sieht. "All unser Wissen wächst nur, indem wir Fehler korrigieren", summiert Popper sein Credo im Vorwort zur zweiten Auflage. In "Das Ich und sein Gehirn" (1977) setzt sich Popper gemeinsam mit dem Neurologen John C. Eccles mit dem Leib-Seele-Problem auseinander. Wesentlicher Bestandteil ist Poppers "Drei Welten"-Theorie, die neben der physischen (Welt 1) und der psychischen (Welt 2) auch der Welt der menschlichen Geistesprodukte als Welt 3 eine eigene Form der Existenz zuspricht. (APA)