Wien - Angst, Depressionen, Aggressivität, psychosomatische Leiden. - Das sind nur einige der Leiden, welche unfruchtbare Paare quälen. Die betroffenen Frauen haben zumeist doppelt so schwere Symptome wie ihre männlichen Partner. Das hat eine brasilianische Studie ergeben, die am Freitag beim A Part-Kongress der privaten In-vitro-Fertilisierungsinstitute in Wien vorgestellt wurde. Bei dem Kongress werden die neuesten Techniken zur Steigerung der Effizienz der Methoden der modernen Reproduktionsmedizin präsentiert. Doch Verfahren, mit denen man die Befruchtungs- bzw. die Schwangerschaftsrate "technisch" erhöhen will, sind nur ein Aspekt. Oft müssen die Betroffenen auch psychologisch oder psychotherapeutisch betreut werden. "Wir haben einen Fragebogen entwickelt, mit dem wir den Grad der psychischen Belastung durch den nicht erfüllten Kinderwunsch bei Frauen und Männern messen können. Auf Grund der Ergebnisse kann man auch bestimmen, ob eine psychotherapeutische Betreuung notwendig ist oder nicht", erklärte Dr. C. G. Peterson, IVF-Expertin aus Ribeirao Preto in Brasilien. Die Test-Situation Die WissenschafterInnen testeten den Fragebogen (15 Fragen mit vier Schweregraden) an 509 Frauen und 481 Männern. 45 Prozent der Fälle von Unfruchtbarkeit waren auf Faktoren beim Mann, 48 Prozent auf bei der Frau vorliegende Umstände und sieben Prozent auf Gründe bei beiden PartnerInnen zurückzuführen. Ganz klar stellte sich dabei heraus, dass Frauen durch Unfruchtbarkeit viel mehr unter Stress geraten als Männer. 35 bis 40 Prozent gaben zum Beispiel an, dass sie in ihrem Alltagsleben durch den nicht erfüllten Kinderwunsch beeinträchtigt seien. Bei den Männern waren es nur rund 20 Prozent. Bei praktisch allen Fragen ergaben sich bei den Frauen höhere und stärkere Zustimmungsraten. Die brasilianische Expertin: "Die Frauen leiden einfach stärker unter Infertilität. Sie brauchen auch mehr psychologische bzw. psychotherapeutische Hilfe." Arbeit an neuen Methoden Abseits der Psychologie arbeiten die IVF-SpezialistInnen an neuen Methoden der Eizellgewinnung und der Kulturbedingungen für befruchtete Eizellen. So werden immer häufiger neue Hormon-ähnliche Substanzen - Gonadotropin-Antagonisten - eingesetzt, um bei Frauen die Eizellproduktion zu verbessern. Bei unfruchtbaren Frauen, die schon mehrfach einen Abortus gehabt haben, können eventuell durch eine Immuntherapie doch noch schwanger werden. Dabei werden ihnen Immunglobuline verabreicht, die eine Toleranz der Frau gegenüber dem Embryo bewirken sollen. WissenschafterInnen der Semmelweis-Klinik in Budapest haben dazu einen Test entwickelt, mit dem die aggressiven Immunzellen im Blut der Frau bestimmt werden können. Bei einer entsprechenden Diagnose kann dann eine Immunglobulin-Therapie eingeleitet werden. (APA)