Blocher ist wie Haider ein flammender Gegner der Europäischen Union und von Einwanderern. Blocher glaubt aber nicht wie Haider an die Nato-Mitgliedschaft und gilt auch nicht als Rassist. Beide haben aber Wähler angezogen, die mit lang anhaltenden Regierungskoalitionen unzufrieden sind.

Nach Haider jetzt Blocher in der Schweiz: Die populistische Rechte wächst im reichen Herzen Europas und markiert rund um die Alpen eine isolationistische und konservative Region von Königstreuen.

Wo ist die SVP einzuordnen? Am äußersten rechten Rand oder als rechtsextrem? Die Differenz mag lächerlich anmuten, wo sie doch direkt an Haiders FPÖ erinnert. Der Erfolg beruht aber primär auf einem gezielten Einsatz der Volksabstimmung, da sich damit besonders gut Identitätskrisen eines Teils des Schweizer Volkes ausnutzen lassen.

Ist der Schweizer ein Zwilling des Österreichers Haider? Es gibt Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Blocher verhöhnt die politische Klasse und preist das direktdemokratische Volk. Er ist aber nicht so schillernd wie Haider. Auch Blocher fischt gerne im braunen Teich, weil es Stimmen bringt, doch er steckt nicht in diesem Sumpf. Er ist ein Erzkonservativer mit autoritären Zügen.

In der Zürcher Zeitung kommt Haider - im Gegensatz zu den vergleichenden Betrachtungen aus London, Paris, Rom und Frankfurt - nicht vor. Oder doch? Hans-Peter Bieri schreibt unter dem Titel "Ein Irrlicht will den Weg zeigen" über Blochers Problem der "Wirklichkeitseinschätzung":

Wer politisch etwas erreichen will, darf nicht nur seine Partner nicht vor den Kopf stoßen, sondern muss auch erreichbare Ziele vorgeben. Nichts spricht dagegen, den Bengel hochzuwerfen, aber er muss noch im Blickfeld bleiben. Anders gesagt: Je näher eine Partei an die Möglichkeit heranrückt, die politische Realität konkret zu gestalten, desto realistischer muss sie werden. Die SVP geht den umgekehrten Weg. Beispiel Ausgaben-und Steuerflussreduktion (...): Die SVP wird irrational.

Eine erstaunliche Enwicklung: Je mehr Macht sie hat, desto weniger weiß sie damit anzufangen. Doch das spiegelt recht genau die Wirklichkeit. Die SVP ist nicht stark geworden, weil sie eine besonders gute Politik gemacht hätte. Sie ist stark geworden, weil sie besonders gut auf der Klaviatur der Emotionen und Vorurteile zu spielen verstand. (...) Der SVP scheint es heute zu genügen, dem Volk (oder was sie dafür hält) nach dem Mund zu reden. Innere Logik, Konsequenz, Wahrheit sind keine Kriterien. Es genügt, wenn sich das jeweilige Thema zu einem griffigen und emotionalisierenden Schlagwort verkürzen lässt. Noch schlimmer: Die SVP verkommt zum Abklatsch ihrer Werbung.

Für die politische Arbeit ist dies verheerend.