Wien - "Ist Herr Schlögl da?" "Ist Herr Minister Fasslabend im Publikum?" Nein, die Sieger waren nicht anwesend, als Dienstagabend im Wiener Lokal Flex zum Ausklang des Nationalfeiertags erstmals die Big-Brother-Awards Austria vergeben wurden. Eine besondere Auszeichnung ist dieser Preis nämlich nicht: Er hebt jene hervor, die sich nach der Meinung der Jury über jegliche Vorgaben des Datenschutzes hinwegsetzen. Prominentester Preisträger war Innenminister Karl Schlögl, der mit dem Lifetime Award gleich für sein "Lebenswerk" belohnt wurde. In der Kategorie Politik hatten die - zum Teil ehemaligen - Abgeordneten zum Europaparlament Hannes Swoboda, Herbert Bösch, Marilies Flemming, Paul Rübig, Karl Habsburg, Klaus Lukas, Ilona Gränitz und Hilde Hawlicek die Nase vorn. Sie erhielten den Big Brother Award für ihre Zustimmung zu den "Enfopol"-Abhörgesetzen. Bei den Behörden gewann das Österreichische Statistische Zentralamt für den Plan, bei der Volkszählung im Jahr 2001 die erhobenen Daten mit denen des Innenministeriums abzugleichen. Für die "laufende Publikation von unklaren und veralteten Wirtschafts- und Schuldnerdaten" wurde der Kreditschutzverband von 1870 im Bereich Business mit einem Award bedacht. Die Kategorie Medien und Kommunikation entschied eine Direct Marketing-Agentur für sich, die in ihrer Werbung auf die umfangreiche Datensammlung über fünf Millionen Österreicher aufmerksam macht. Als "Spitzel des Jahres" wurde folgende Menschen/Firmen ausgezeichnet: Politik (Ex)-Europarlamentarier - Hannes Swoboda (SPÖ), Herbert Boesch (SPÖ), Marilies Flemming (ÖVP) Paul Rübig (ÖVP), Karl Habsburg-Lothringen (EX-ÖVP, CSA), Klaus Lukas (EX-FPÖ, CSA), Ilona Graenitz (SPÖ), Hilde Hawlicek (SPÖ) Für die Zustimmung zu den sogenannten ENFOPOL-Abhoerinitiativen die einen entscheidenden Schritt zur polizeistaatlichen Überwachungsunion bilden. Behörden Das Österreichische Statistische Zentralamt - Verantwortlicher Karl Isamberth Für die geplante Volkszaehlung 2001, die gleichzeitig einem Abgleich mit dem Melderegister und der Einführung eines Personenkennzeichens dienen soll. In einer Musil'schen "Parallelaktion" wird unter strenger Geheimhaltung die Generalinventur Österreichs geplant. Business Kreditschutzverband von 1870 - verantwortlich Klaus Hierzenberger Für die laufende Publikation von unklaren und veralteten Wirtschafts- und Schuldnerdaten in der Wirtschaftsevidenz, in der Kleinkreditevidenz und in der UKV- Liste. Immer wieder werden Menschen durch irreführende Angaben in Ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet. Kommunikation Schober Direct Marketing, verantwortlich M. Mackenbrock, Geschäftsführerin. Schober bietet für über 5 Millionen Österreichische Individuen jeweils bis zu 50 (!) zusätzliche personenbezogene Informationen an. Schober betreibt damit die grösste Privatdatenbank in Osterreich. Lifetime Award Bundesminister für Inneres Karl Schlögl In dessen Amtszeit Grundrechte wie Schutz der Privatsphäre, Schutz der persoenlichen Daten, Redaktionsgeheimnis permanent in Frage gestellt werden. Gleichzeitig werden die polizeilichen Befugnisse, bei sinkender Kriminalität ausgeweitet. Weiters wurden mehrfach Beamte beim Verkauf von EKIS- Fahndungsdaten an Private erwischt, .... Community Award Die weitaus meisten Nominierungen gingen an Microsoft Österreich. Im Auftrag Microsofts verstiess die Unternehmensberatung G3 von Österreich aus gegen das norwegische Urheberrechtsgesetz, indem man von einem norwegischen Linuxcounter, wo sich die Linux-Gemeinde registriert, um untereinander Kontakt zu haben, systematisch die österreichischen Mailadressen herausgefiltert hat. Auf der norwegische Website wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, daß das kommerzielle Verwenden dieser Adressen verboten ist. Sodann wurden die Linux-User ungefragt und in Massen mit Fragebögen beehrt. Gefragt wurde nach den Einstellungen zu und dem Einsatz von Linux. Unter anderem, ob "Linux Know How aktiv" weitergegeben wird, aber auch nach der beruflichen Position sowie Branche und Größe des Arbeitgebers. Nach Protesten und Medienberichten stellte Microsoft Österreich die Praktiken schließlich ein. Ein Live Report und verschiedene Video Streams sind unter www.bigbrother.awards.at abzurufen. (APA/red)