Es ist dann doch nur ein Auto geworden. Noch dazu ein kleines. Mehr als einen Twingo konnte R. nicht auftreiben, um den Burggarten vollzuparken. Dabei hatte er es sich so schön vorgestellt - und seiner Mailrunde (www.xobarap.net ) auch ausführlich geschildert, was er sich vorgestellt hätte. R. macht das immer so. Diesmal wollte er halt den Burggarten vollparken. Demonstrativ und auffällig. Weil es ihn nervt, dass andere das heimlich still und leise die ganze Zeit tun - und es für ihr Recht halten. R. und seine Freunde sind keine militanten Autofahrer. (Deshalb war es nicht möglich, am Samstag mehr als einen Twingo in den Burggarten zu bekommen.) Sie sind auch keine Autohasser. R. und seine Partie sind ein loser Haufen, der noch nicht verlernt hat, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen, nachzufragen oder eigene Schlüsse zu ziehen. Und deshalb versuchen R. und seine Freunde immer wieder, einen Plan B zur Verwendung der Stadt zu entwickeln. Oder aber sie richten die Scheinwerfer auf Seltsamkeiten. Hinschauen und nachschauen Die Sache mit dem Twingo gehörte zur Scheinwerferabteilung: Weil im Eck zwischen Palmenhaus und Nationalbibliothek seit Ewigkeiten ein geheimer Parkplatz existiert, den die Parkraumbewirtschaftungsüberwachungsorgane nicht kontrollieren dürfen (Bundesgrund) und den die Burghauptmannschaft nicht überwachen will ("unsere Mitarbeiter finden keine Parkplätze"), kann in dem kleinen Eck parken, wer davon weiß - und das Fahrverbotsschild bei der Einfahrt unter der Albertina ignoriert. Vielen, die beim Palmenhaus sitzen, fallen die Autos auf, die vorbeirollen. Wenige fragen sich, wo die hinfahren und wieso sie nicht zurückkommen. Und kaum einer steht von seinem gemütlichen Caféhaustischerl auf und schaut nach. R. schon. Zwei Wochen später stand er mit seinem Twingo da. "Um aufzufallen war das zuwenig - aber wir können ja wieder kommen." R. wiederholt sich: Er sei weder Querulant noch Spaßverderber. Im Gegenteil. Den Spaß in die Stadt zurückzuholen halten die Leute um R. für eine Bürgerpflicht. Weil - siehe oben - die Gesetze der urbanen Trägheit ohnehin allzu oft allzu rasch dazu führen, dass Farbe und Lächeln in Alltag und Gesichtern mit Staub blickdicht abgedeckt werden. Bis zum Ersticken. Fly-Over-Erstbesteigung Und weil R. und seine Freunde nicht ersticken wollen, setzen sie immer wieder kleine, banale, unscheinbare und vielleicht auf den ersten Blick lächerliche Heldentaten wider die Monotonie. Kleine Aktionen fallen kaum auf. Größere (etwa eine Donaukanalbeschwimmung oder das historische Blaues-Badeentenrennen-mit- gelben-Quackquacks-versetzen) sind auch medial beachtet worden. Mitte August wollen R. und seine Freunde wieder groß auftreten und einen Fly-Over "erstbesteigen". Ohne Sauerstofflaschen. Die Zusatzidee, die Aktion live auf das Staustellen-TV am Matzleinsdorfer Platz zu übertragen und ebendort Liegstühle aufzustellen, ist noch nicht ganz aus der Welt. NACHLESE --> Im Museumsfreibad --> Watschen für Othmar --> Der ganz geheime Zauberpark --> Überkopffische --> Das Nebelhorn --> Die versteckte Abhöranlage --> Freiradfahren --> Unten am Fluss --> Parklife --> Rauchzeichen --> Missionarsstellungen --> Das Ende der Stadt --> Die Wiese --> Durch die Blume --> Der Aidsstecher --> Drei ist mehr als sechs und kleinlich --> Wenn Werber weinen --> Der Wichser --> Ausgerechnet Curling --> Fahrraddiebe --> Der Leuchtturm --> Weitere Stadtgeschichten...