Ufa - "Es sind die besten Kinder der Republik gestorben", kommentierte der Stellvertretende Chef des baschkirischen Radios Wsja Ufa das tragische Flugzeugunglück über dem Bodensee. Mehr als die Hälfte der Todesopfer seien Kinder von mittleren Beamten gewesen, erklärt Asamat Almuchametow aus Ufa, der Hauptstadt der russischen Republik Baschkortostan.Doch nicht wegen ihrer guten Beziehungen seien sie unterwegs nach Spanien gewesen, sondern wegen ihrer guten Schulleistungen, versichert er. Die Kinder und Jugendlichen waren die Sieger eines Unesco-Wettbewerbs, der an den baschkirischen Schulen durchgeführt worden war: Zuerst seien in allen Fächern die besten Kinder der einzelnen Schulen auserkoren worden, dann seien diese auf Republiksebene gegeneinander angetreten. Verhängnisvolle Verquickungen Und die Besten hätten eben nach Spanien fliegen dürfen, zu einem Unesco-Festival, berichtet Almuchametow betroffen. Laut offiziellen baschkirischen Angaben sind unter den Opfern 52 Kinder unter 16 Jahren, acht von ihnen sind gar unter 12. Begleitet wurden sie von fünf Erwachsenen, zudem starben bei dem Unglück alle zwölf Mitglieder der Flugzeugbesatzung. Die jungen Urlauber sollten eigentlich schon am Samstag nach Spanien fliegen, doch das Flugzeug aus Ufa hatte Verspätung, sodass die Gruppe auf dem Moskauer Flughafen Scheremetewo den Anschluss nach Barcelona verpasste. Daraufhin wurde die baschkirische Fluggesellschaft gebeten, einen Charterflug für die jungen Leute zur Verfügung zu stellen. Genau der führte in die Katastrophe. Fünf ohne Visum Großes Glück hatten drei Kinder und zwei Begleitpersonen, die ebenfalls für die Reise nach Barcelona vorgesehen waren, aber nicht mit 3. Spalte fliegen konnten, weil ihnen von Spanien keine Visa erteilt wurden. In der kleinen, aber vergleichsweise reichen russischen Republik Baschkortostan im südlichen Ural herrschte nach dem Unglück Entsetzen. Der baschkirische Präsident Murtasa Rachimow, der die mehrheitlich muslimische Republik eigenmächtig und mitunter eigenwillig regiert, hat eine dreitägige Staatstrauer verordnet. Inzwischen haben die Behörden damit begonnen, den Hinterbliebenen internationale Pässe auszustellen, die sie für eine Auslandreise brauchen. Zudem wird ein Sonderflug der Bashkirian Airlines Beamte und Experten aus der vier Millionen Einwohner zählenden Republik nach Deutschland bringen. Zunächst blieb die Delegation aber in Moskau hängen, weil Deutschland offenbar die nötigen Visa nicht schnell genug ausstellte. Erfahrene Crew Vertreter der Bashkirian Airlines vermuten, menschliches Versagen müsse zu der Katastrophe geführt haben. Die eigenen Leute nahm man jedoch gleich in Schutz. Die Crew wurde als sehr erfahren beschrieben. Pilot und Kopilot hätten seit Jahren im internationalen Flugbetrieb gearbeitet, und beide hätten fließend Englisch gesprochen. Die Gesellschaft versicherte, das Flugzeug sei in bestem Zustand gewesen. Auch habe die sieben Jahre alte Maschine über das TCAS-2000 Navigationssystem verfügt, das vor einer drohenden Kollision warne, so ein Sprecher der Bashkirian Airlines. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.7.2002)