Aus einem immer mehr zum Einheitsbrei verkommenden Festival-Wahnsinn stechen am kommenden Wochenende im burgenländischen Wiesen zwei, drei Acts heraus, die mittels originärem Werk vorführen, wie tot so manche Hosen tatsächlich sind. Am Samstag wird der früherer Vortrinker der Pogues, der tatsächlich als großer Poet in der Popmusik einzustufende Shane MacGowan mit seiner Band The Popes auf ein paar Bierchen und Songs vorbeischauen und nebenbei hoffentlich belegen, was hier eben niedergeschrieben wurde. Als wahrscheinliche Höhepunkte des diesjährigen Forestglade 2002 gelten wohl die Auftritte der New Yorker Rock-'n'-Roll-Berserker von Jon Spencers Blues Explosion sowie der genialen Cake . Cake, eine Band aus Sacramento, die mit furztrockenen Gitarren-Licks, vom HipHop abgeleiteten Drums und dem präzisen Songwriting von John McCrea ihr aktuelles Album Comfort Eagle präsentieren wird, muss als eine jener wenigen Formationen bezeichnet werden, die das Ende des großen Grunge-Lärms neben Beck am ehesten als Möglichkeit zu neuen Formen im Rock nutzte. Das Quartett integrierte schlanke Bläsersätze und schuf mit seiner Mischung aus Distanziertheit und Emphase ein paar der wunderbarsten Rocksongs der letzten Jahre. (flu /DER STANDARD, Printausgabe, 3.7.2002)