Die Regierung hat entschieden: Das runde Dutzend unbekannter Flugobjekte, das pro Jahr in den österreichischen Luftraum eindringt, wird in Zukunft von Eurofightern fotografiert werden. Ein Mann hat die Entscheidung für das teuerste Gerät möglich gemacht: Finanzminister Karl-Heinz Grasser.Es riecht nach Schiebung. Seit Monaten wissen wir, dass Frank Stronach einer der Hauptprofiteure des Eurofighter-Projekts wäre. Es war klar, dass die F-16 aus zwei Gründen keine Chance hätten: zu alt und nicht europäisch. Wer den Eurofighter durchbringen wollte, musste dazu nur den schwedischen Gripen aus dem Weg schaffen. Grasser pokerte bis zuletzt Verteidigungsminister Herbert Scheibner hatte sich bereits auf den Gripen festgelegt. Grasser pokerte bis zuletzt: Mit Unterstützung der Kronenzeitung signalisierte er, das Finanzressort werde zu einer teuren Variante keine Zustimmung geben. Rund um den Ministerrat versuchten Schüssel, Bartenstein und Scheibner, einen Kompromiss mit dem Finanzminister zu finden. Grasser wartete bis zur letzten Minute und änderte dann sein Ultimatum: Wenn nicht der billigste genommen wird, soll der beste den Zuschlag bekommen. Das war der Durchbruch für Eurofighter. Stronachs Mann in der Regierung Karl-Heinz Grasser ist Frank Stronachs Mann in der Regierung. Von den Lotterien bis zum Abfangjäger bewegt sich das Finanzministerium im Schatten des kanadischen Geschäftsmanns. Von Anfang an war nicht klar, wie sich Grasser entscheiden würde, wenn die Interessen der Steuerzahler und die Interessen Stronachs aufeinanderprallen. Am Dienstag hat der Finanzminister klargestellt, welche Interessen er vertritt. Mit der Eurofighter-Entscheidung hat Grasser die Grenze der Unvereinbarkeit überschritten. Ein Finanzminister, der sein Amt als Filiale eines befreundeten Konzerns betreibt, ist nicht tragbar. Karl-Heinz Grasser muss zurücktreten. NACHLESE --> Rosa Winkel - 26.6.2002 --> Säuberungen - 19.6.2002 --> Ein Fall für die STRASI - 11.6.2002 --> Blauer Adel, schlechter Geruch - 5.6.2002 --> Quelle: "die USA" - 22.5.2002 --> Unsere Bürgerwehr - 15.5.2002 --> Hatzl vs. Israel - 7.5.2002 --> Für ein Verdummungsverbot - 30.4.2002 --> Der achte Mai - 24.4.2002 --> Acht Monate bedingt - 16.4.2002 --> Alles Trotteln? - 9.4.2002 --> Vogt statt Dichand - 3.4.2002 --> Auf nach Bagdad, hurra! - 26.4.2002 --> Untersucht Haider! - 19.3.2002 --> Banane statt Adler - 13.3.2002 --> Waffenschieber ja, junge Mutter nein - 27.2.2002 --> Weitere Kommentare von Peter Pilz, die in der Rubrik "Fremde Feder" erschienen sind.