Warschau - Ungeachtet der Proteste aus Deutschland will Polen an seinen Plänen für den Bau neuer Atomkraftwerke festhalten. Die Regierungsbeauftragte für Atomenergie, Hanna Trojanowska, zeigte sich kurz nach ihrer Ernennung am Dienstag in Warschau verwundert über Deutschlands Bedenken. Polen werde seine Pläne, vor allem die Umweltverträglichkeit des Projekts, "selbstverständlich" mit den Nachbarländern entsprechend der internationalen Konventionen besprechen, versicherte Trojanowska. Deutsche und polnische Umweltschützer hatten am vergangenen Samstag gegen den möglichen Bau eines Atomkraftwerks in Gryfino (Greifenhagen) nahe Schwedt protestiert.

Als Unterstaatssekretärin im Wirtschaftsministerium soll Trojanowska Vorschläge über Zahl, Stärke und Standorte der geplanten Atommeiler erarbeiten. Die Regierung von Donald Tusk will bis Ende 2020 bis zu zwei Atomkraftwerke bauen. Das sei ein "ehrgeiziger Plan", sagte Trojanowska. Ihrer Darstellung zufolge wächst in Polen die Akzeptanz für Atomenergie.

Gegenwärtig gewinnt Polen mehr als 90 Prozent seines Strombedarfs auf Kohlebasis. Die Einführung des EU-Klimapakets kann eine deutliche Verteuerung der Kohleenergie zur Folge haben. Bereits in den 1980er Jahren hatte Polen mit dem Bau eines Atomkraftwerkes in Zarnowiec im Norden des Landes begonnen. Nach einigen Jahren wurden allerdings die Arbeiten wieder eingestellt. (APA/dpa)