In dem E-Mail, das Passwörter zur "ÖBB-Videoüberwachung" enthält, wird auch geraten, sich das Programm "FileZilla" zu installieren. Dieses Programm wird für FTP-Zugänge verwendet

Screenshot: Anonymous Austria

Zur Amtszeit Maria Fekters wurde ihr Postfach "unüberschaubar" wegen E-Mails von BürgerInnen

Screenshot: Anonymous Austria

Die Netzaktivisten von Anonymous Austria haben am Freitag über ihren Twitter-Account einen Link zu Screenshots verschickt, bei dessen Inhalten es sich offenbar um interne E-Mails der Bundespolizeidirektion handelt. Das Kollektiv stellte dabei eigenen Angaben zufolge nur den Bruchteil von Inhalten online, über die sie sich Zugriff verschafft haben sollen. Die Leaks könnten erneute Diskussionen über die Cybersecurity österreichischer Behörden heraufbeschwören.

Accounts von Mikl-Leitner

Neben den E-Mails ist auch ein Screenshot zu sehen, der zeigt, dass das Kollektiv auch über die Zugangsdaten von Bundesministerin Johanna Mikl-Leitners iTunes-Account verfügt. Auch vom vermeintlichen Kalender der Ministerin wurde ein Screenshot veröffentlicht. Am Freitagabend hat der WebStandard noch zusätzlich ein E-Mail erhalten, das von Johanna Mikl-Leitners E-Mail-Account versendet wurde und den Betreff "GMail Account von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner von AnonAustria übernommen" trägt.

Polizei und ÖBB-Videoüberwachung

Ein Screenshot zeigt, dass ein Beamter des Referats II 2a der Bundespolizeidirektion an die Landespolizeidirektion ein E-Mail verschickt hat, in dem sich Zugangsdaten zur "ÖBB-Videoüberwachung" befinden. Es befindet sich noch ein Link dabei, der anscheinend zu einem FTP-Server führt. Aufgrund der vorliegenden Daten könnte man darauf schließen, dass die Zugangsdaten es der BPD und der LPD ermöglicht haben, jederzeit auf die Videoüberwachung der Österreichischen Bundesbahnen zuzugreifen. Angesichts der Gesetzeslage wäre zu klären, inwiefern dies gerechtfertigt ist. Laut Videoüberwachungsbestimmungen darf die Polizei diese Daten zwar anfordern, kann dies aber nur bei dringendem Verdacht auf Straftaten tun. Eine direkte Schnittstelle zwischen Videoüberwachung und Polizei war bislang nicht bekannt. Das E-Mail ist im Dezember 2012 verschickt worden.

Innenministerium bezieht Stellung

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums, sagt gegenüber dem WebStandard, dass es sich bei den Zugängen zu den ÖBB-Daten im Falle der oben genannten E-Mails um Testaccounts handelt. Tatsächlichen Zugang zu den Videos bekommen die Beamten laut Grundböck nur eingeschränkt, einmalig und mit staatsanwaltschaftlicher Anordung - dann, wenn es um die Aufklärung von Straftaten geht. Zudem handle es sich bei den bisher veröffentlichten Screenshots von Anonymous um die Mails eines einzigen Mitarbeiters. Ob Anonymous tatsächlich das System "gehackt" hat oder die Daten zugespielt wurden, kann Grundböck noch nicht beantworten. In den E-Mails befinden sich laut Innenministerium keine sensiblen oder weiterverwertbaren Daten.

15-Jähriger narrt Bundespolizei

Besonders skurril ist ein anderer E-Mail-Verkehr aus der Bundespolizeidirektion. Aus einem internen E-Mail ist zu entnehmen, dass im Jänner 2011 eine Warnung an alle Mitarbeiter verschickt wurde, sich vor einem 15-jährigen Burschen in Acht zu nehmen. Dieser 15-Jährige ist anscheinend durch sogenanntes "Social Engineering" an interne Passwörter der Bundespolizeidirektion und des Innenministeriums gekommen.

Fekter lässt E-Mails von Bürgern blocken

Maria Fekters Sekretärin suchte laut einem weiteren Mail an, E-Mails mit dem Betreff "Das ist nicht unser Gesetz!" völlig zu blockieren, da das Postfach der damaligen Innenministerin "unüberschaubar" geworden sei. Der E-Mail-Verlauf stammt aus 2011 und sollte der E-Mail-Flut von BürgerInnen entgegenwirken. Die Schreiben mit diesem Betreff wurden damals als Protest gegen das Fremden-Paket verschickt, das von der Initiative als "Schubhafts-Gesetz" bezeichnet wurde und die Reformen der damaligen Innenministerin heftig kritisierte. (iw, derStandard.at, 19.4.2013)