Berlin - Der Publizist und Verleger Wolf Jobst Siedler ist tot. Der 87-Jährige sei am Mittwoch "nach langer Krankheit friedlich im Kreis seiner Familie eingeschlafen", teilte sein Sohn, Wolf Jobst Siedler junior, der dpa mit. Siedler wurde am 17. Jänner 1926 in Berlin geboren. Er leitete fast 20 Jahre die Verlage Ullstein und Propyläen sowie von 1980 bis 1998 den von ihm mitgegründeten Siedler Verlag.

Der "schreibende Verleger", der als Autor mit sprachmächtigen Essays hervortrat, hat Werke von Karl Marx, Albert Speer, Willy Brandt, Konrad Adenauer, Michail Gorbatschow, Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker und Franz Josef Strauß verlegt. Sein Lebensmotto war stets "Auf rechte Weise links zu sein".

Vom Bestsellererfolg überrascht

Das erfolgreichste Buch wurde allerdings die schon in den 1970er Jahren erschienene "Möwe Jonathan" von Richard Bach - eine "Petitesse", ein "Kleiner Prinz" für Krankenschwestern", wie Siedler anfangs dachte, der dann vom Bestsellererfolg überrascht wurde.

Auch an einer in beiden deutschen Staaten erschienenen Bismarck-Biografie des Ostberliner Historikers Ernst Engelberg war Siedler 1985 beteiligt, was seinerzeit als gelungener Verleger-Coup galt. Zu seinen internationalen Bestsellern gehörte die Hitler-Biografie seines Freundes Joachim Fest. Mitte der 1990er Jahre erschien bei Siedler die deutsche Ausgabe von Daniel Goldhagens umstrittenem Buch "Hitlers willige Vollstrecker". (APA, 28.11.2013)