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Waneck geht

foto: ap/zak
Wien - Er galt schon als Fix-Aussteiger des ersten schwarz-blauen Kabinetts: Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (58). Nun muss der Radiologe aber wirklich seinen Hut nehmen. Trotz zahlreicher Dementis in den vergangenen Tagen muss Waneck nun im Zug der jüngsten Rochade des zweiten ÖVP-FPÖ-Kabinetts Eduard Mainoni, dem neuen Infrastruktur-Staatssekretär, weichen. Seine Amtszeit begleiteten teils heftige gesundheitspolitische Diskussionen. An der fachlichen Kompetenz des Wiener Mediziners zweifelte freilich nie jemand.

Zwischen den Stühlen

Waren im ersten Kabinett Wolfgang Schüssels die Sozial- und Gesundheitsagenden noch zwischen den Sozialministern - zuerst Elisabeth Sickl, dann Herbert Haupt - und Staatssekretär Waneck aufgeteilt, änderte sich die Kompetenzlage mit dem Kabinett Schüssel II. Die ÖVP-Politikerin Maria Rauch-Kallat wurde Gesundheitsministerin, Haupt behielt die Sozialagenden und bekam als Unterstützung Staatssekretärin Ursula Haubner (F). Wechselseitige Kontrolle in der Gesundheitspolitik war also angesagt. Zuletzt war er gegen die von Rauch-Kallat geplanten Gesundheitsagenturen aufgetreten.

Schlachthaus-Arbeiter

Zuvor hatten Haupt und Waneck, trotzdem sie derselben Partei angehören, doch einige Sträuße miteinander ausgefochten. In Erinnerung bliebe etwa eine Episode, die von einem gemeinsamen öffentlichen Auftritt in einem Schlachthof überliefert ist. Obwohl das Veterinärwesen in die Zuständigkeit Wanecks fiel, soll der Tierarzt Haupt dem Staatssekretär gesagt haben: "Du kennst dich da nicht aus, du hast noch nie einen Schlachthof von innen gesehen." Darauf Waneck: "Doch, ich habe als Ferialjob einen Monat in einem Schlachthaus gearbeitet."

Reform-Baby

Wanecks Reform-Baby war das im Sommer 2002 in Kraft getretene Paket zur Sanierung der Krankenkassen mit dem Darlehensmodell, wodurch die noch besser da stehenden Kassen den maroden Geld leihen müssen. Aber: Nicht nur dass die Defizite weiter stiegen, der Verfassungsgerichtshof hob das Ausgleichsmodell auch noch auf. Begründung: für ein solches Sonderopfer gebe es keine sachliche Rechtfertigung.

Mit vielen seiner Vorschläge stieß Waneck zudem nicht nur beim Koalitionspartner ÖVP, sondern auch in der eigenen Partei auf Widerstand. Die freie Wahl der Krankenversicherung etwa konnte er nicht durchsetzen, ebenso wenig die Anhebung der Höchstbeitragsgrundlage. Für seinen Vorschlag einer Erhöhung der Tabaksteuer wurde er zwar zunächst von Haupt gerügt, später wurde sie von der Regierung unter Berufung auf eine EU-Richtlinie dann aber doch umgesetzt.

Akutgeriatrie

Gelungen ist Waneck 2001 der Krankenanstalten- und Großgeräteplan, der derzeit in Umsetzung ist. Die Länder haben dafür bis 2005 Zeit. Insgesamt soll damit die Zahl der Spitalsbetten um 2,9 Prozent reduziert werden, wobei aber wegen der immer größer werdenden Zahl älterer Menschen zusätzlich Betten für Palliativmedizin und Akutgeriatrie geschaffen werden sollen.

Am 16. Oktober 1945 in Innsbruck geboren, absolvierte Waneck Volksschule und Realgymnasium in Wien, bevor er nach einem Medizinstudium mit dänischem Staatsstipendium in der Bundeshauptstadt 1971 promovierte. Nach der Turnusarztausbildung in Oberösterreich und Wien sowie der Facharztausbildung mit Studienaufenthalten in Deutschland, Schweden und den USA habilitierte sich der Mediziner 1985, im Jahr 1994 erfolgte die Ernennung zum außerordentlichen Universitätsprofessor. (APA)