Gaza-Stadt - Die israelische Armee hat in der Nacht auf Montag ihre wenige Stunden zuvor begonnene Militäroperation gegen mutmaßliche palästinensische Extremisten im nördlichen Gaza-Streifen wieder beendet. Das israelische Fernsehen berichtete, die Soldaten seien abgezogen worden, nachdem PLO-Chef Mahmud Abbas die Aktion als Einmischung in die für den 9. Jänner geplante Präsidentenwahl in den Palästinenser-Gebieten kritisiert habe. Die Armee hat zugesichert, sich mindestens 24 Stunden vor dem Urnengang aus den Palästinenserorten zurückzuziehen.

Die Armee selbst begründete das Ende der Operation in Beit Hanoun und Jabalya mit ungünstigen Wetterbedingungen. Die Militäroperation hatte am Sonntag begonnen, nachdem beim Einschlag von zwei Raketen in der südisraelischen Stadt Sderot eine Frau verletzt worden war.

Vor dem für dieses Jahr geplanten Abzug der israelischen Soldaten und der Auflösung der jüdischen Siedlungen hat die Gewalt in dem schmalen Küstenstreifen zugenommen. Bei einem Treffen mit Generalstabschef Moshe Yaalon am Sonntag sagten Siedlervertreter, Tausende israelische Soldaten würden Befehle im Zusammenhang mit der Auflösung der Siedlungen verweigern. Vize-Ministerpräsident Ehud Olmert zeigte sich dagegen überzeugt, dass "die Befehle der Armee von der überwältigenden Mehrheit der Soldaten befolgt werden".

Palästinensischer Kameramann durch Schüsse verletzt

Israelische Soldaten haben am Sonntag einen palästinensischen Kameramann des israelischen Fernsehens durch Schüsse schwer verletzt. Nach Angaben von Ärzten wurde der 40-jährige Mashdi el Arabid, der für Kanal 10 arbeitete, von Kugeln im Magen getroffen, als er den Vorstoß der israelischen Armee im nördlichen Gazastreifen filmte. Sein israelischer TV-Kollege Shlomi Eldar sagte dem israelischen Rundfunk, die Soldaten hätten ohne Vorwarnung auf ihn geschossen. "Die israelische Einheit wusste ganz genau, dass wir Journalisten sind, aber das hat sie nicht davon abgehalten, zu schießen", sagte Eldar. Zum Zeitpunkt der Schüsse sei es in dem Sektor zudem gerade ruhig gewesen.

Nach Angaben aus Militärkreisen erlaubte die Armee am Abend, dass der verletzte Kameramann ins Krankenhaus im südisraelischen Beersheba gebracht wurde. Nach Informationen des israelischen Militärradios bestand für ihn jedoch wenig Hoffnung. Im Mai 2003 war der britische Journalist James Muller in Rafah im Süden des Gazastreifens durch Schüsse israelischer Soldaten getötet worden. (APA)