Anstatt ihr Geld in den berühmten Trevi-Brunnen zu werfen, verfrachten die Italiener ihr Geld ins Ausland.

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Mailand – Die sozialen Netzwerke sind voll davon, und auch die italienischen Medien berichten seit einigen Wochen umfangreich über den jüngsten Exodus von Spargeldern in die Nachbarländer, primär in die Schweiz, aber auch nach Österreich. Zu Wochenbeginn veröffentlichte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich belastbare Daten. Laut dem in Basel ansässigen Institut sind es 11,5 Milliarden Euro gewesen, welche Italiener im Zeitraum Juli 2017 bis Juni 2018 in der Schweiz deponierten.

Im Budgetstreit mit der EU gab es zuletzt zwar Anzeichen von Entspannung: Laut der Zeitung "La Repubblica" drängt Finanzminister Giovanni Tria aber nun, das geplante Defizit für 2019 von 2,4 auf zwei Prozent zu senken, um das angedrohte Defizitverfahren der EU gegen das hochverschuldete Land zu verhindern.

Grund ist die Koalition

Dennoch: Der erbitterte Wahlkampf und die Koalition aus der rechtsradikalen Lega Nord und den Populisten der Fünf-Sterne-Bewegung gelten als Grund für die Kapitalflucht. Auch die Befürchtung, es könnte eine neue Vermögenssteuer kommen, trägt zur Verunsicherung bei. Profitiert haben davon primär die Banken des Südschweizer Kantons Tessin, aber auch jene aus Österreich. Mit den anhaltenden politischen Schwierigkeiten, dem schwelenden Haushaltskonflikt zwischen Rom und Brüssel, habe sich das Interesse an Bankdepositen in seinem Land noch verstärkt, bestätigte der Direktor der Tessiner Bankenvereinigung Franco Citterio.

Die italienischen Sparer suchen nach Möglichkeiten, außerhalb des Landes zu veranlagen. Während sich die Regierung noch den Kopf darüber zerbricht, wie die privaten Haushalte zu mehr Investitionen in heimische Staatsanleihen motiviert werden könnten, hat der Abfluss italienischer Vermögen über die Landesgrenzen schon eingesetzt – nicht nur bei Großinvestoren.

Es geht Citterio zufolge auch um die "gewöhnlichen Leute". "Sie handeln ganz einfach, weil sie besorgt sind, die italienische Regierung könnte sich bei den einfachen Sparern bedienen, wenn die Finanzierung des Staatsdefizits zu schwer werden sollte." (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 12.12.2018)