Theresa May hat gesiegt, vorerst. Zur Gewinnerin macht sie das aber nicht.

Foto: AP / Geert Vanden Wijngaert

Die eigene Partei hat also doch Vertrauen in Theresa May. 200 der eigenen Abgeordneten stimmten am Mittwoch für die britische Premierministerin. Das ist, an manchen Erwartungen gemessen, ein Erfolg. May bleibt, sie wird weiter dafür kämpfen, ihre Version eines EU-Deals umzusetzen. Und doch ist dies ein Pyrrhussieg: Es gibt weiter keine Mehrheit für ihren Deal im Unterhaus, die Opposition bereitet ein eigenes Misstrauensvotum vor.

Auch Mays innerparteiliche Gegner, die Hardline-Brexiteers, durften sich vorderhand freuen: 117 Tory-Mandatare misstrauen der Chefin. Das Votum ist ein mehr als deutliches Signal. So kann es nicht weitergehen. Doch auch für die Verfechter eines harten Austritts ist es ein zweischneidiger Erfolg: Brüssel wird ihren Wünschen sicher nicht nachkommen, nur weil sie mit stolzgeschwellter Brust so argumentieren, als wolle die EU in Wahrheit aus dem Vereinigten Königreich austreten. Außerdem sind die Briten von diesem Schauspiel zunehmend ermüdet; die Unterstützung für "Remain" stieg in Umfragen zuletzt klar.

Ist also die EU insgeheim Siegerin? Immerhin sind alle Verhandlungspartner weiter geschwächt. Doch weil auch Brüssel eine gütliche Einigung will, werden die Verhandler May kleine Zugeständnisse machen. Mit dem Resultat, dass der Deal wohl trotzdem im Unterhaus scheitert. Ein Pyrrhussieg ist es also auch für die EU. Es bestätigt sich, was stets klar war: Der Brexit kennt nur Verlierer. (Manuel Escher, 13.12.2018)