Johann von Gott nannte sich der 76-Jährige, ihm werden hunderte Fälle von Missbrauch vorgeworfen.

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Sao Paulo – Nach Missbrauchsvorwürfen hunderter Frauen hat sich ein berühmter selbsternannten Wunderheiler in Brasilien den Behörden gestellt. Fernsehsender zeigten am Sonntag, wie Joao Teixeira de Faria zum Polizeihauptquartier der Hauptstadt des Bundesstaates Goias, Goiania, gefahren wurde.

In einem von einer Journalistin aufgezeichneten Video sagt der als "Joao de Deus" (Johann von Gott) bekannte 76-Jährige, er stelle sich der "göttlichen Justiz" und begebe sich in die Hände der "irdischen Justiz".

"Heilende" Engergie

Die brasilianischen Behörden hatten am Freitag einen Haftbefehl gegen den angeblichen Wunderheiler ausgestellt. Zuvor hatte er Medienberichten zufolge umgerechnet knapp acht Millionen Euro von Konten abgehoben. Die Polizei wollte verhindern, dass Faria sich ins Ausland absetzt oder das Geld versteckt.

Vor rund zehn Tagen waren in einer Sendung des brasilianischen Fernsehsenders Globo schwere Missbrauchsvorwürfe gegen Faria laut geworden. Er soll Frauen unter dem Vorwand einer Heilung von Depressionen oder anderen Krankheiten sexuell missbraucht haben.

Frauen berichteten in der Fernsehsendung, der 76-Jährige habe sie unter anderem zum Oralsex gebracht. Er behauptete demnach, dies sei der einzige Weg, um seine "heilende" Energie auf die Frauen zu übertragen.

Hunderte Vorwürfe

In den Tagen nach der Ausstrahlung meldeten sich hunderte Frauen mit ähnlichen Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft spricht von mehr als 330 Frauen aus Brasilien, aber auch aus Deutschland, Australien, Belgien, Bolivien, der Schweiz und den USA. Die Übergriffe sollen sich in Farias "spirituellen Krankenhaus" in Abadiania nahe der Hauptstadt Brasilia zugetragen haben. Der 76-Jährige hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Faria ist weit über Brasilien hinaus bekannt und hat Anhänger in aller Welt. 2012 besuchte ihn sogar US-Moderatorin Oprah Winfrey, um seinen "Wundern" auf den Grund zu gehen. Mehrere brasilianische Präsidenten haben sich an das angebliche Medium gewandt. (APA/AFP, 17.12.2018)