Scarlett Johansson hält den Kampf gegen Deepfake-Videos für aussichtslos.

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Die mahnenden Stimmen waren in den vergangenen Monaten kaum zu überhören: Deepfake-Videos könnten eine echte Gefahr für die Demokratie darstellen, warnen Kritiker. Immerhin ist es mithilfe von künstlicher Intelligenz mittlerweile möglich, die Gesichter einzelner Personen täuschend echt mit einem anderen Körper zu kombinieren, und dabei auch die Mimik nachzuahmen. Doch während solche Warnungen durchaus berechtigt sind, hat das Internet zwischenzeitlich einen ganz anderen Einsatzbereich für die Technologie gefunden. Und zwar einen, der für die Betroffenen besonders unangenehm ist: Pornografie.

Realitätscheck

Es sind vor allem bekannte Hollywood-Schauspielerinnen, die in solchen Deepfake-Porno-Videos zum Objekt gemacht werden. So erzielte etwa alleine ein Clip von Scarlett Johansson mehr als 1,5 Millionen Views bevor er von Pornhub entfernt wurde. Während sich solch große Seiten mittlerweile einem Bann von solchen Videos verschrieben haben, lassen sich entsprechende Clips nicht komplett aus dem Netz entfernen, das ist auch den Betroffenen selbst bewusst.

Der Kampf gegen Deepfake-Videos sei "sinnlos", betont denn auch Johansson gegenüber der Washington Post. Die Realität sei einfach, dass sich solche Dinge nicht aus dem Netz vertreiben lassen, wenn sie einmal veröffentlicht wurden. Zudem seien solche Videos noch nicht einmal das schlimmste, das über sie in irgendwelchen dunklen Ecken des Internets kursiere.

Vorgeschichte

Die Schauspielerin spricht dabei aus leidvoller Erfahrung: So wurden etwa 2011 private Nacktfotos von ihr gestohlen und online veröffentlicht. Der dafür verantwortliche Hacker wurde später zu zehn Jahren Haft verurteilt. Und im Jahr 2016 hatte eine Roboterbauer aus Hongkong einfach eine Reproduktion ihres Gesichts für eine seiner Kreationen verwendet.

Johannson betont dabei auch, dass Deepfake-Videos sie nicht gleich schlimm betreffen wie weniger bekannte Personen, die zunehmend ebenfalls zum Ziel solcher Fälschungen werden. Bei ihr nehme zumindest niemand an, dass diese Clips echt seien, so die Schauspielerin. Für weniger privilegierte Opfer seien solche Formen der Belästigung wesentlich unangenehmer. (red, 2.1.2019)