Begrüßung von Papst Franziskus durch Kronprinz Mohammed bin Zayed Al Nahyan.

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In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gibt es seit 2016 ein "Nationales Programm für Toleranz" und einen eigenen Minister für Toleranz: Das mag man als PR-Gag abtun, aber es bleibt eine Tatsache, dass es die Christen dort leichter haben als in anderen arabischen Golfstaaten. Papst Franziskus – der erste römisch-katholische Pontifex, der die Arabische Halbinsel besucht – betrat am Sonntagabend ein Land mit acht katholischen Kirchen, doppelt so viele wie jeweils in Kuwait, Oman und Jemen. Katar und Bahrain haben je eine. Insgesamt gibt es in den VAE etwa 40 Kirchen, etwa 13 Prozent der Bevölkerung sind Christen. In Saudi-Arabien hingegen ist Christen die Religionsausübung nur im privaten Bereich gestattet.

Das Christentum ist in den VAE wie in anderen Staaten der Region vor allem die Religion der ausländischen Arbeitskräfte, allen voran der etwa 700.000 Filipinos, der drittgrößten Gruppe. Emiratische Staatsbürger christlichen Glaubens gibt es nicht. Papst Franziskus wird am Ende seines dreitägigen Aufenthalts in Abu Dhabi eine Open-Air-Messe lesen, zu der 130.000 Menschen erwartet werden. In Abu Dhabi ist der Sitz des Apostolischen Vikariats Südliches Arabien, zu dem auch Oman und Jemen gehören.

Großscheich von Al-Azhar

Anlass des Papstbesuchs ist eine "Globale Konferenz für menschliche Bruderschaft", die bereits am Sonntag eröffnet wurde und zu der auch der Großscheich von al-Azhar in Kairo, Ahmed al-Tayib, erwartet wird. Al-Azhar gilt noch immer als der wichtigste Ort der sunnitischen Gelehrsamkeit. Franziskus und Tayib haben sich allerdings auch schon früher getroffen.

Aber nicht nur die abrahamitischen Religionen sind vertreten, bei der Eröffnung sprach und betete auch ein Hindu-Priester. Für die konservativen Religiösen besonders im eng mit dem VAE verbündeten Saudi-Arabien ist das nicht leicht zu schlucken. Allerdings pflegt auch das viel geschmähte König-Abdullah-Zentrum in Wien (KAICIID) den Umgang mit Religionen, die vom Islam nicht anerkannt sind, aber eben im Ausland.

In den VAE gibt es aber sogar Hindu- und Sikh-Tempel, undenkbar in Saudi-Arabien. Anlässlich eines Streits über einen Kirchenbau in Kuwait forderte vor einigen Jahren der saudische Großmufti – Nachfahre jenes Mohammed Ibn Abdulwahhab aus dem 18. Jahrhundert, nach dem der "Wahhabismus" benannt ist – sogar die Zerstörung aller Kirchen auf der Arabischen Halbinsel.

"soft power" und "public diplomacy"

Der Papst wurde mit Tweets auch von allerhöchsten Stellen empfangen, etwa von Kronprinz Mohammed bin Zayed Al Nahyan, der die emiratische Politik dominiert. Der rührige Botschafter der VAE in den USA, Yousef al-Otaiba, schrieb einen Kommentar in Politico, in dem er den Papstbesuch als Schlag für die "mörderischen Fundamentalisten" bezeichnete, die das Gesicht des Islam entstellen würden. Die VAE sind Meister der Ausübung von "soft power" und "public diplomacy", ihr Einsatz gegen religiösen Extremismus ist jedoch echt.

Das zeigt sich auch im Umgang mit der vorislamischen Vergangenheit, also mit einer Zeit, die vom Islam als "Jahiliya", Ignoranz, bezeichnet wird. In den VAE gibt es mehrere Fundstätten von Klostern und Kirchen aus dem 6. und frühen 7. Jahrhundert, also vor der Verbreitung des Islam. Diese christlichen Stätten – etwa eine 1992 auf der Insel Sir Bani Yas entdeckte – werden gepflegt. Die Arabische Halbinsel war in der vorislamischen Zeit teilweise christianisiert, auch das Judentum hatte Verbreitung. Die Kirchen in den heutigen VAE gehörten allerdings dem nestorianischen Christentum, der Assyrischen Kirche des Ostens, an. Heute besteht die Konkurrenz für die Katholiken vor allem in evangelikalen Kirchen.

Religionsfreiheit nur für Ausländer

Den Kirchen ist generell die Missionierung unter Muslimen untersagt, es gab wiederholt Deportationen von ausländischen Missionaren. Religionsfreiheit gibt es nur für Ausländer. Und während muslimische Männer Christinnen heiraten dürfen, gilt das nicht in die andere Richtung. Aber die Offiziellen betonen andererseits oft die Rolle von Missionaren und Christen bei der Entwicklung des vor der Entdeckung der Ölvorkommen bitterarmen Emirate. Viele Mitglieder der Herrscherfamilien, nicht zuletzt der Kronprinz von Abu Dhabi selbst, haben das Licht der Welt in Missionsspitälern erblickt. (Gudrun Harrer, 4.2.2019)