So blöd kann eine Mode gar nicht sein, dass sie nicht wiederkommt. Als die Blinker verpflichtend eingeführt wurden, gab es laute Stimmen dagegen. Sogar von einer Gefahr war die Rede. Kann man sich fast nicht vorstellen. Obwohl: Heute witzeln Blinkfaule, dass es aus Datenschutzgründen nicht möglich sei, den Fahrtrichtungswunsch rechtzeitig bekanntzugeben. Oder kurz gesagt: "Geht kan was an, wo ich hinfahr."

Zu faul zum Blinken – anscheinend nicht nur hierzulande ein Problem.
Foto: AP

Nun gut, der Gesetzgeber sieht das anders. Und das schon ziemlich lange. Am 6. Juli 1960 wurden mit der Straßenverkehrsordnung (StVO) die Vorschriften für das richtige Blinken erlassen. Das liest sich im Original – Überraschung – etwas holprig. Im Endeffekt steht aber klar drin: "Blink rechtzeitig, wenn du abbiegen oder den Fahrstreifen wechseln willst, damit sich die anderen drauf einstellen können, und hör erst auf damit, wennst fertig bist mitn Umanudeln." So gesehen ist der Komfortblinker, der bei jedem Antippen des Blinkerhebels dreimal blinkt, ein ziemlicher Vollholler.

Komfortblinker

Klar. Mit dreimal Blinken ist maximal der andere Verkehrsteilnehmer gewarnt, umagfahren ist man da noch nirgendwohin. Obwohl: In der StVO steht auch, dass man schon zum Blinken aufhören darf. Dann nämlich, wenn man draufgekommen ist, dass man doch lieber auf seiner Spur bleibt. Aber bevor wir auf die große Errungenschaft im Windschatten des Komfortblinkers eingehen, schauen wir erst einmal zurück, wie das Anfang der 1960er-Jahre ausgeschaut hat mit dem Blinken.

Wer keinen Blinker am Fahrzeug montiert hatte, durfte auch mit Handzeichen oder mit dem Signalstock seinen Plan einer Änderung der Fahrtrichtung bekanntgeben. Das gilt heute übrigens immer noch. Anders verhält sich die Sache mit dem Winker, der 1922 erfunden wurde.

Ein Winker in einem VW Käfer von 1958, schon mit einem Birndl drin.
Matthias Baer

Schon Jahre davor sehnten sich Berufsfahrer nach Fahrtrichtungsanzeigern. Eugen Zipperle und August Nagel bauten den ersten Armwinker, der über Bowdenzüge bedient wurde. Ebenfalls ein August, diesmal aber der Herr Schwarz, brachte fünf Jahre später einen elektrischen Winker heraus. 1925 baute Robert Bosch dann den ersten Winker, der auch noch leuchtete.

Blinker als Wunschobjekt

Von dem waren die Leute so begeistert, dass sie ihn freiwillig nachrüsteten. Oder lag es an der Tatsache, dass viele einfach merkten, dass der Verkehr besser fließt, wenn die anderen Verkehrsteilnehmer wissen, was man vorhat, und einem so einfach seltener in die Kiste fahren? Den City-Notbrems-Assistenten brachte Bosch ja erst viele Jahre später auf den Markt.

Voll der Lifehack: Gleich hinter dem Lenkrad, eh in einer gescheiten Position, ist der Hebel für den Blinker. So, jetzt hammas verraten.
Foto: Guido Gluschitsch

Irgendwo dazwischen gab es dann den echten Blinker, einfach, ohne Schnickschnack und Rüscherl. Zu bedienen über einen simplen Hebel am Lenkstock – zur Bestätigung gab es eine grüne Kontrollleuchte im Armaturenträger. Bis in die 1990er-Jahre hatten fast nur die edlen und schnellen Schüsseln zwei getrennte grüne Leuchten zur Blinkerkontrolle. Dabei sind Verwechslungen der Richtung – fast – ausgeschlossen, und am Klackern des Relais hat man eh sofort gehört, ob es blinkt oder nicht. Sogar eine kaputte Birne konnte man hören, denn dann schaltete das Relais doppelt so schnell.

Blinker aus der Dose

Blinkerrelais gibt es in modernen Autos schon lange nicht mehr – aber das Geräusch dazu wohl. Daran hatten sich die Autofahrer so gewöhnt, dass sie darauf trotz modernerer Technik nicht mehr verzichten wollten. Jetzt kommt das Blinkergeräusch halt aus dem Lautsprecher. Je nach Hersteller klingt es aufdringlich bis dezent, futuristisch bis blechern. Das beste Blinkergeräusch hat derzeit übrigens eindeutig der Ford Mustang Bullitt. Ja, das ist eine subjektive Meinung, aber wir können gerne drüber streiten. Wie auch über das Bestätigungsblinken.

Zugegeben, da klingt nicht nur der Blinker gut, beim Mustang Bullitt.
Foto: Guido Gluschitsch

Mit der richtigen Lenkradhaltung ist Bestätigungsblinken ein Klacks. Da streckt man beim Einlenken einfach den Zeigefinger der linken Hand aus und schaltet so den Komfortblinker ein. Blöderweise ist das aber sinnlos, denn wenn man erst zu blinken beginnt, wenn man eh schon die Spur wechselt, sehen die anderen Verkehrsteilnehmer den Blinker eh erst, wenn man sie schon geschnitten hat. Also wenn wir die Demütigung und Nötigung der anderen außen vor lassen, nutzt das Bestätigungsblinken also im besten Fall die Birndln ab. Obwohl: Birndl stimmt ja auch nur mehr bedingt.

Neue Technik

Inzwischen blinken wir ja mit LEDs. Und damit fand gleich ein neuer Schmäh Einzug ins Auto: Wischblinker. Sie sind inzwischen der letzte Schrei. "Dynamisches Blinklicht" heißt das in Schönsprech und beschreibt ein Blinklicht, das sich von der Fahrzeugmitte nach außen bewegt,

Der Wischblinker fällt auf, wenn man ihn halt nutzt.
VAU MAX tv

Wer hoffte, dass mit dem neuen Discoblinker das Anzeigen des Fahrtrichtungswunschs wieder in Mode komme, der hat sich leider geirrt. Was beim Fahren mit Licht am Tag gelang – jeder braucht heute anscheinend ein LED-Tagfahrlicht –, will beim Blinken nicht greifen. Das orange Lamperl zu zeigen ist einfach nicht kuhl genug. Das bestätigen inzwischen auch Untersuchungen, die Selbstüberschätzung als Grund für das Nichtblinken ausgemacht haben.

Und damit sind wir bei den Motorradfahrern. Die blinken ja gern gar nicht, und wenn doch, dann ewig. Ersteres haben wir eh schon besprochen, Letzteres liegt daran, dass der Blinkerschalter nicht wie beim Auto von alleine zurückgeht, wenn man die Lenkung wieder geradestellt. Und Komfortblinker sind auf Motorrädern noch eher die Ausnahme als die Regel.

So schaut die Bedieneinheit eines modernen Motorrads aus. Kein Wunder also, dass da manch einer den Blinker gar nicht findet. Übrigens, wenn Sie von einem Motorradfahrer angehupt werden, kann es auch sein, dass der Fahrer mit den Handschuhen nur den Blinkerknopf verfehlt und den für die Hupe erwischt hat.
Foto: Guido Gluschitsch

Es sind aber die Radfahrer, die jetzt immer versessener auf Blinker werden. Blinker und Bremslicht am Helm gibt es genauso wie Lenker-Enden mit Blinker oder Handschuhe mit eingearbeiteten LEDs.

Alles wird gut

Es gibt ihn also eh noch, den Blinker: Er wurde moderner, komfortabler und auffälliger – doch beliebter anscheinend nur bei den schwächsten und den rücksichtsvollen Verkehrsteilnehmern. Dieser Trend wird sich wohl auch noch ein wenig halten. Aber es gibt ein blinkendes Licht am Horizont. Spätestens die autonom fahrenden Autos sind sich fürs Blinken nicht zu eitel. (Guido Gluschitsch, 6.2.2019)