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Sofia – Die bulgarische Euro-Münze soll mit dem "Reiter von Madara" verziert sein. Das Felsrelief zeigt einen tapferen Helden, der soeben einen Löwen erlegt hat. Wahrscheinlich stammt es aus dem 8. Jahrhundert. In einer Inschrift neben dem Mann auf dem Ross geht es um den zweiten Herrscher des Ersten Bulgarischen Reiches namens Terwel, der über seine Verwandten schreibt: "Meine Onkels in der Region um Thessaloniki glaubten nicht dem Kaiser mit der abgeschnittenen Nase." Gemeint war Justinian.

Möglicherweise können schon bald alle Euro-Europäer den Reiter von Madara bewundern. Denn die bulgarische Regierung hat vergangenes Jahr im Juli der Eurogruppe ihr Interesse kundgetan, der gemeinsamen Währung beizutreten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat aber Bedingungen gestellt, die noch kein Euro-Kandidaten-Land erfüllen musste. Und die bulgarische Regierung zögert, darauf einzusteigen. Zunächst geht es um einen Beitritt zur Bankenunion und gleichzeitig zum Europäischen Wechselkursabkommen. Die bulgarischen Banken müssen Stresstests bestehen, auch eine Überwachung des Bankensektors und die volle Umsetzung der Antigeldwäscheregeln gehören dazu. Die EZB verlangt etwa, dass die drei größten bulgarischen Banken (Unicredit Bulbank, DSK Bank und Fibank) unter die Kontrolle der EZB gestellt werden.

Zusatzhürden nach Krise

Die Zusatzhürden für Bulgarien wurden nach der Krise 2008 angedacht, um das Vertrauen in das Bankensystem zu checken. Insbesondere die deutschen Ökonomen sind nach der Griechenland-Krise "sensibel". "Die bulgarischen Banken sind aber solide", sagt der Ökonom Georgi Chobanow von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Sofia. "Bulgarien ist ohnehin viel stabiler als Griechenland. Viele griechische Unternehmer sind deshalb in Bulgarien aktiv." In der großen Krise ist "nur" die Korporatiwna Targowska Banka (KTB) pleitegegangen. "Dennoch gibt es seitens der EZB nur wenig Vertrauen in das bulgarische Bankensystem", so Chobanow.

Das zögerliche Verhalten der Regierung gegenüber den Sonderhürden hat auch psychologische Gründe – schließlich wird so getan, als habe Bulgarien ein großes Problem. Doch das sind politische Fragen. "Ökonomisch betrachtet erfüllt Bulgarien alle Kriterien für den Euro-Beitritt", sagt Chobanow. "Denn das Wechselkursarrangement ist so streng wie in den Euro-Ländern. Die bulgarische Währung Lew ist deshalb völlig kompatibel mit dem Euro", erklärt er.

Die Einführung des Euro wäre de facto in dem südosteuropäischen Staat mit sieben Millionen Einwohnern sehr einfach. "Aber wir brauchen ihn auch nicht so dringend einzuführen, weil wir ihn ja praktisch schon über den festen Wechselkurs nutzen", so der Ökonom. Eigentlich wäre es nur mehr eine Formalität, tatsächlich mit dem Euro zu zahlen. (Adelheid Wölfl, 6.2.2019)