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Genf zählt zu den teuersten Städten der Welt.

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Das Grand Théâtre de Genève erstrahlt seit Februar 2019 in neuem Glanz.

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Das Uno-Hauptgebäude

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Die Uhrenmanufaktur Patek Philippe hat in Genf ein feines Uhrenmuseum eingerichtet.

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Am Genfer Flughafen steht ein begehrter Automat: Ankommende können dort ihr Gratisticket für eine Fahrt in die Stadt lösen. Mit dem Zug oder Bus ist man dann rasch im Hotel, wo den Gästen für die Dauer ihres Aufenthalts kostenlose Öffi-Fahrscheine ausgehändigt werden. In Genf gibt es etwas gratis? Heißt es nicht immer, die Stadt in der Westschweiz ist eine der teuersten der Welt?

Am Wochenende ist dort vieles anders, dann locken Hotels mit günstigen Preisen, da Geschäftsleute und Diplomaten die Stadt verlassen. Viele Museen bieten zudem Gratiseintritte an. Um das Maximum aus einem Genf-Aufenthalt herauszuholen, sollte man also am besten am Freitag und Samstag in der Stadt weilen. Hier das 48-Stunden-Programm:

Freitagvormittag

Bei einem Rundgang auf dem Altstadthügel kann man die Seele baumeln lassen und sich mit der Geschichte dieser Stadt beschäftigen. Wegen ihrer geografischen Lage am Ausfluss der Rhone stellt sie seit jeher einen strategisch wichtigen Verkehrsknotenpunkt dar. Unter der gotischen Kathedrale sind frühchristliche Mosaike ebenso zu sehen wie das Skelett eines einst hochverehrten, mittlerweile unbekannten Helden aus dem Keltenstamm der Allobroger, die Hannibal trotzten, letztlich aber von den Römern besiegt wurden.

Nur wenige Meter sind es von der Kathedrale zur Maison Tavel, dem ältesten Haus der Stadt. Im obersten Stockwerk befindet sich ein riesiges Modell, das den Zustand der Stadt im Jahr 1850 zeigt – vor dem Schleifen der imposanten Befestigungs anlagen, die Genf über Jahrhunderte hinweg den Status der Unabhängigkeit sicherten.

Falls Zeit bleibt, lohnt ein Abstecher zum Museum für Kunst und Geschichte (Musée d’art et d’histoire). Wie in der Maison Tavel und anderen städtischen Museen ist der Eintritt zur permanenten Sammlung kostenlos. Dennoch lohnt es sich, ein Ticket für die aktuelle Sonderschau Cäsar und die Rhone kaufen (bis 26. Mai), die archäologische Funde in der Rhone zeigt.

Freitagmittag

In Genf kann man für Essen ein Vermögen ausgeben. Muss man aber nicht. Am Genfersee ist das Selbstbedienungsrestaurant auf dem Quai du Mont-Blanc – dessen Massiv bei klarer Luft aus dem Panorama hervorlugt – zwar kein Geheimtipp mehr, aber eine Institution. Es gehört zum Seebad Bains des Pâquis und bietet gutes Essen zu erschwinglichen Preisen. Die Entenbrust mit Basilikumpolenta ist zu empfehlen, der Extra Brut aus Dardagny nahe Genf ein angenehmer Begleiter. Bei Schlechtwetter bieten das Buffetrestaurant im Dachgeschoß des Einkaufszentrums Manor beim Hauptbahnhof oder die Uni-Mensa in Plainpalais gute Alternativen.

Freitagnachmittag

Nach dem Lunch gilt es eine Entscheidung zu treffen: entspannt durch ie zahlreichen Parks flanieren oder eine der internationalen Institutionen besuchen? So wird etwa auf dem Cern-Forschungsgelände die schwer greifbare Materie der Elementarteilchen anschaulich erklärt (Endstation Straßenbahn 18). Oder wussten Sie, dass sich ein Drittel des weltweit verfügbaren Heliums in dem 27 Kilometer langen Teilchenbeschleuniger befindet? Auch das Uno-Hauptgebäude (Palais des Nations) ist zu besuchen, inklusive des Art-Déco-Ratssaals des Völkerbunds aus den 1930er-Jahren (Endstation Straßenbahn 15). Für beides empfiehlt sich eine Reservierung (www.unog.ch und home.cern).

Freitagabend

Nach einer dreijährigen Schließungsphase erstrahlt das frisch renovierte und im Backstagebereich erweiterte Grand Théâtre de Genève seit Februar 2019 in neuem Glanz. Zwar wurde der mit 1500 Sitzplätzen überaus geräumige Zuschauerraum aus den 1960er-Jahren mit seiner originellen Milchstraßen-Aluminiumdecke des Künstlers Jacek Stryjenski kaum verändert. Dafür versetzte man das Stiegenhaus und das an den Pariser Palais Garnier angelehnte Foyer der Genfer Oper nach peniblen Recherchen in seinen ursprünglichen Zustand. Die Fresken an der Decke des hellen, blattgoldreichen Pausenraums werden von den riesigen Spiegeln ebenso verdoppelt wie die Ruhmestrompeten blasende Engeln.

Ein Opernbesuch kann als Gradmesser für die kulturelle Befindlichkeit eines Ortes dienen. Werden Brötchen und Wein in der Pause mit Ellbogeneinsatz erkämpft? Wird in der Menge lautstark über die Aufführung geschimpft, um die eigene Kennerschaft zu vermitteln? Und werden Künstler, die einen schlechten Tag hatten, gnadenlos ausgebuht? Lassen sich diese drei Fragen beispielsweise in Wien mit einem Ja beantworten, verhält sich das in Genf anders.

Auch sonst existieren feine Unterschiede: Der Prosecco kostet mehr als in der Wiener Staatsoper, der Champagner weniger. Auffallend angenehm: Man muss nicht unbedingt in festlicher Abendrobe erscheinen, denn das Publikum ist offensichtlich "nur" wegen der Kunst hier – und vergleichsweise leger gekleidet.

Samstagvormittag

Wer pünktlich zum Beginn der Öffnungszeit des Patek-Philippe-Museums kommt, vermeidet lange Warteschlangen (Samstag ab zehn Uhr, Sonntag und Montag geschlossen). Die Sammlung des Luxusuhrenherstellers ist recht außergewöhnlich, da sie nicht nur eigene Erzeugnisse umfasst, sondern einen umfassenden Einblick in die Geschichte der tragbaren Uhren vom 16. bis zum 19. Jahrhundert bietet. Phänomenal sind die zahlreichen Miniaturmalereien: Auf einer aus Augsburg stammenden Uhr aus dem Jahr 1710 ist etwa eine ganze Schlachtszene abgebildet, die mit einem einhaarigen Pinsel gefertigt wurde.

Amüsant ist zudem die Erkenntnis, dass ausgerechnet der Calvinismus den Grundstein für die Genfer Tradition von Luxusuhren lieferte. Der radikale Reformer Johannes Calvin verbot den Genfern im Jahr 1541 neben sonstigen Belustigungen auch das Tragen von "überflüssigem" Schmuck. Die Goldschmiede mussten sich also ein neues Betätigungsfeld suchen – und fanden es in der Uhrenproduktion.

Samstagnachmittag

Als Genf noch eine Bastion der Reformation war, befand sich das vom Königreich Sardinien-Piemont auf dem Reißbrett entworfene Carouge außerhalb der mächtigen Festungsanlagen. Als Sündenpfuhl brachte dieser Ort zwar so manchen Bürger, letztlich aber nicht die Askese in der gesamten Stadt zu Fall.

Der Genuss ist in diesem pittoresken, italienisch anmutenden Städtchen, das heute im Süden nahtlos an die Stadt Genf grenzt, nach wie vor ein großes Thema. Wer in den Geschäften der Chocolatiers Philippe Pascoët oder Mr. & Mrs. Renou einmal von den dort offerierten Kostproben genascht hat, ist bereit, jeden Preis dafür zu zahlen.

Samstagabend

Am Sonntag ist Carouge wie ausgestorben, aber am Vorabend startet der Ort mit seinen zahlreichen Bars und Bis trots wie dem Le Lion d’Or in der Rue Ancienne 53 noch einmal kräftig durch. Alternativ lässt man den Abend im Studentenviertel des Stadtteils Plainpalais in einer sympathischen Cocktailbar wie dem Barbershop bei einem Drink ausklingen. (Stephan Burianek, 19.3.2019)