Die Regierung in Peking zählt offensichtlich nicht zu den Verfechtern von Kryptowährungen wie Bitcoin. 2017 wurden sogenannte Initial-Coin-Offerings verboten, das sind gewissermaßen digitale Börsengänge zur Finanzierung von Unternehmen oder Projekten. In weiterer Folge wurden etliche Handelsplattformen für Bitcoin und Co geschlossen, und nun geht es dem Schürfen von Kryptowährungen über Rechenleistung an den Kragen. Zumindest will die Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission nun ein Verbot des Minings von Kryptowährungen prüfen.

Chinas Regierung erwägt, dem Schürfen von Kryptowährungen wie Bitcoin, die durch spezielle, energiehungrige Mining-Computer geschaffen werden, den Stecker zu ziehen.
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Pikant ist diese Ankündigung nicht nur, weil sie kurz nach der stärksten Kurserholung von Bitcoin seit längerem erfolgte, sondern auch, weil das Reich der Mitte gewissermaßen den Hotspot für das Schürfen darstellt. Dort befinden sich Experten zufolge nicht nur die größten Mining-Pools, die zusammen rund die Hälfte der Rechenleistung des gesamten Bitcoin-Netzwerks darstellen, sondern mit Bitmain und Canaan auch die bedeutendsten Hersteller von speziellen Computern für das Schürfen von Kryptowährungen.

Sollte China tatsächlich den dort ansässigen Schürfern den Stecker ziehen, würde zumindest vorübergehend ein Teil der Rechenleistung wegfallen, was die Transaktionszeiten und -kosten erhöhen würde. Mittelfristig erwarten Experten aber, dass in anderen Ländern mit günstigen Stromkosten größere Mining-Pools entstehen werden – wohl ein Grund dafür, dass die Nachricht aus China dem Bitcoin-Kurs bisher kaum zusetzte.

Erzeugungskosten bei 4500 Dollar

Derzeit siedelt Odelia Torteman, Expertin der Beratungsgesellschaft Deloitte, die Produktionskosten für einen Bitcoin bei etwa 4500 Dollar an – womit das Schürfen seit dem Kurssprung der Vorwoche, der den Kurs deutlich über die Marke von 5000 Dollar gehievt hatte, erstmals seit November wieder rentabel wurde. Torteman geht davon aus, dass in dieser Phase viele Miner aufgegeben haben – was auch den jüngsten Preisanstieg begünstigt habe.

Generell sieht sie nicht nur die bisherige Konzentration der Schürfer in China als eine Schwäche von Bitcoin, sondern auch den enormen Energiebedarf und die schlechte Skalierbarkeit des Bitcoin-Netzwerks – viele Transaktionen führen zu langen Wartezeiten und hohen Kosten.

Wohl kein Bitcoin-ETF

Sie erwartet, dass sich künftig sogenannte Stablecoins stärker durchsetzen werden. Verbreitet sind diese bereits als Kryptowährung, deren Kurs an eine konventionelle Währung gebunden ist. Andere Kategorien von Stablecoins hängen ihr zufolge an einem Korb von anderen Kryptowährungen oder würden von vertrauenswürdigen Institutionen wie Notenbanken herausgegeben. Ihre Erwartung: "Es wird mehr unterschiedliche Kryptowährungen geben, wir werden eine größere Vielfalt erleben." Derzeit sind rund 2000 in Umlauf, aber nur eine Handvoll mit ökonomischer Relevanz.

Wird die US-Börsenaufsicht Sec den Anträgen auf Bitcoin-ETFs, das sind börsenotierte Fonds auf die Kryptowährung, als Anlageprodukte stattgeben? "Ich glaube nicht, dass die Sec einen Bitcoin-ETF zulassen wird", sagt Torteman unter Verweis auf die hohe Volatilität und Bedenken hinsichtlich der Antigeldwäscherichtlinien. Sehr wohl geht sie aber davon aus, dass sich digitale Vermögenswerte neben herkömmlichen Finanzmärkten etablieren. Das sind digitale Token ähnlich einer Kryptowährung, die dem Besitzer gewisse Rechte einräumen – etwa am Erfolg einer Firma oder Eigentum an Immobilien oder Kunstwerken.

Regulatoren setzten Rahmen

"Damit kann man beinahe alles handeln, was einen Wert darstellt", betont Torteman. Mehrere Eigentümer könnten so gemeinsam eine Immobilie oder ein Gemälde besitzen und ihre Anteile unabhängig voneinander weiterveräußern. "Der Markt ist in einer interessanten Phase. Die Regulatoren haben begonnen, neue Rahmenbedingungen festzulegen, durch die digitale Assets akzeptierbar werden."

Bis diese die Finanzmärkte ganz durchdringen, wird es aber wohl noch dauern. "Voraussichtlich werden in einer ersten Phase zwei unterschiedliche Marktsegmente entstehen", erwartet Torteman. "Eines für herkömmliche Wertpapiere und eines für digitale Vermögenswerte." (Alexander Hahn, 11.4.2019)