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Pro
von Gianluca Wallisch

Immer dieser Leistungsdruck! Das beginnt schon im frühesten Alter, in dem man/frau selbstredend das allerhübscheste und/oder höchstbegabte Kind zu sein hat. In der Schule geht's dann munter weiter: Die Eltern wollen Topleistungen, während der Klassenverband ein geradezu diametrales Verhalten einfordert. Anstrengend. Und dann der Beruf! Leistung, Leistung, Leistung! Sonst bist du schnell der Letzte. Und die Letzten werden die Letzten sein.

Und in der Freizeit? Da wird jungen Menschen auf Multiplex-Parkplätzen zwischen L.A. und Parndorf der wöchentliche Alkopop-Fetz'n abverlangt, den Älteren später ein solider Vollrausch auf Bier- oder Weinbasis beim Wirt'n oder Heurigen.

Raus aus diesem Kreislauf des Leistungsdrucks und Zuflucht gesucht im Damenspitzerl, dem verkannten Underdog der alkoholisch assistierten Beschwingtheit. Funktioniert auch bei Männern.

(Redaktioneller Hinweis: Bei der Entstehung dieses Textes kam keine Leber zu Schaden.)

Kontra
von Margarete Affenzeller

Der seltsame Begriff Damenspitz – er steht für den Zustand des Leicht-angetrunken-Seins – rührt wohl aus Zeiten her, in denen es sich für Frauen nicht geziemte, wegen übermäßigen Alkoholkonsums aus der Rolle zu fallen. Diese Tage sind längst gezählt. Was haben wir gesoffen und gekotzt! Wir können ganze Bierfässer leertrinken und uns literweise Obstlerkaraffen hinter die Binde gießen. Kirschbrand! Weichsel! Herrlich. Ordentlich tanken war oft die einzige Möglichkeit. Wirklich.

Der gute alte Damenspitz, der meist mit der Bezeichnung "gepflegt" einhergeht, hat das läppische Nippen auf immer und ewig mit der weiblichen Hälfte der Menschheit verquickt. Ein Irrtum!

Abgesehen davon erinnert das Wort an Dinge, die wenig Genuss bereiten. An einen hässlichen Schoßhund etwa, der außerhalb seines pastellfarbenen Tragekörbchens gar nicht überlebt (Verzeihung, eigentlich liebe ich Hunde). Merke: Wir lassen uns unser Trinken nicht kleinreden! (RONDO, 18.7.2019)