Nayib Bukele bei seiner Angelobung.

Foto: REUTERS/Jose Cabezas

Diese Armeekadetten wurden zur Amtseinführungsfeier abkommandiert.

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El Mozote, Februar 2019: Eine argentinische Gerichtsmedizinerin untersucht ein Massengrab.

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El Salvadors am Wochenende angelobter Präsident Nayib Bukele hat sich an seinem ersten Tag im Amt mit einem mächtigen Gegner angelegt: Via Twitter ordnete er an, die Kaserne der dritten Infanteriebrigade in San Miguel, die bisher den Namen des umstrittenen Oberstleutnants Domingo Monterrosa trug, sofort umzubenennen.

Obwohl sich die Militärführung offiziell nicht zu dem Befehl äußerte, wurden am Sonntag Soldaten gesehen, die den Schriftzug auf der Kasernenmauer übermalten.

Der Monterrosa-Schriftzug wird entfernt.

Monterrosa, der 1984 bei einem Anschlag der FMLN-Guerilla ums Leben kam, kommandierte die Eliteeinheit "Batallon Atlacatl", als diese im Dezember 1981 das Dorf El Mozote stürmte und über 900 Menschen, der Großteil Kinder, ermordete. Die BBC bezeichnet die Anti-Guerilla-Operation "Rescate" ("Rettung") als größtes Massaker im Lateinamerika des 20. Jahrhunderts.

"Nationalheld" Monterrosa

Der an der US-Militärakademie "School of the Americas" in Fort Bragg, North Carolina und in Taiwan in Aufstandsbekämpfung ausgebildete Monterrosa genießt bis heute großes Ansehen in der salvadorianischen Armee. Im Militärmuseum in San Salvador gibt es einen eigenen Raum, in dem seine "Heldentaten" gewürdigt werden, posthum wurde ihm der Titel eines Nationalhelden verliehen.

Oberstleutnant Domingo Monterrosa.

Das Militär bestreitet bis heute, am Massaker von El Mozote beteiligt gewesen zu sein, und beteuert, über keine Dokumente zu verfügen, die Gegenteiliges belegen.

Bukeles Amtsvorgänger, darunter auch Mitglieder der ehemaligen Guerillatruppe und nunmehrigen Linkspartei FMLN, wagten es nicht, der Armee den Monterrosa-Kult zu verbieten, weil sie einen Militärputsch befürchteten. Präsident Mauricio Funes (FMLN, 2009–2014) entschuldigte sich zwar 2012 in El Mozote im Namen des Staates bei den Angehörigen und ersuchte das Heer, seine "Interpretation der Geschichte" neu zu überdenken, dies blieb aber ohne konkrete Folgen.

Der Bürgerkrieg in El Salvador wurde hauptsächlich von den USA finanziert, die nach dem Sieg der FSLN-Guerilla gegen den nicaraguanischen Diktator Anastasio Somoza verhindern wollten, dass auch im Nachbarland eine USA-freundliche Regierung gestürzt wird. Zu Zeiten US-Präsident Ronald Reagans erhielt das Acht-Millionen-Einwohner-Land, das kaum größer als Niederösterreich ist, fast eine Million Dollar Militärhilfe am Tag.

Nachdem "New York Times"-Reporter Raymond Bonner sechs Wochen nach dem Massaker den ersten Bericht darüber veröffentlichte, sprach Elliot Abrams, damals Abteilungsleiter für Menschenrechte im US-Außenministerium, von "kommunistischer Propaganda", die lediglich dazu diene, die "fabelhaften Fortschritte" der salvadorianischen Regierung bei der Demokratisierung des Landes schlechtzureden. Heute ist Abrams Sondergesandter Präsident Donald Trumps für Venezuela. (Bert Eder, 5.6.2019)