Die Hosi möge sich ein Herz fassen, hofft man bei der JVP.

Foto: REUTERS/Heinz-Peter Bader

Nico Marchetti hat die Junge ÖVP für die Regenbogenparade angemeldet. Im Gastkommentar antwortet er Kurt Krickler, der die Absage an die JVP befürwortet.

Es ist nicht ganz unerwartet, dass die beabsichtigte Teilnahme der Jungen ÖVP bei der Regenbogenparade Diskussionen auslöst. Ich habe beispielsweise mit der durchaus berechtigten Frage "Warum erst jetzt?" gerechnet oder mit dem einen oder anderen verständnislosen Parteikollegen. Dass die Widersacher aber ausgerechnet aus den Reihen der Organisatoren kommen, überrascht – ist doch ein überparteilicher Schulterschluss für die Sache genau der Gründungs- und Ursprungsgedanke der Regenbogenparade.

"United in Diversity"?

"Gemeinsam stärker" liest man dort Jahr für Jahr oder auch aktuell "United in Diversity". So sehen wir es eben auch. Daher ist die Entscheidung der Organisatoren der Homosexuellen Initiative (Hosi), uns die Teilnahme an der Regenbogenparade zu untersagen, keine, die meiner Auffassung nach dem Charakter dieser Veranstaltung entspricht, und somit schlicht falsch. In anderen Ländern ist es übrigens selbstverständlich, dass konservative Parteien teilnehmen können.

Ja, in der Vergangenheit haben sich diese und auch die ÖVP nicht mit Ruhm bekleckert, wenn es um die Rechte von Homosexuellen gegangen ist. Dieses Argument ist auch nicht zu relativieren. Doch im Umkehrschluss heißt das für mich, dass es sogar umso wichtiger ist, auch hier mehr Bewusstsein zu schaffen und die Kräfte, denen Gleichberechtigung ein ehrliches Anliegen ist, zu stärken. Als Junge ÖVP Wien haben wir uns beispielsweise noch weit vor dem Urteil des Verfassungsgerichtshofs – entgegen der Parteilinie – für die Ehe für alle öffentlich ausgesprochen. Den Beschluss für die Teilnahme an der Pride haben wir noch lange vor dem Bekanntwerden einer etwaigen Neuwahl im Vorstand einstimmig getroffen und mit den Organisatoren umgehend Kontakt aufgenommen.

Aufeinander zugehen

Für das Aufeinander-Zugehen braucht es eben immer zwei, und das geht auch nur mit der ausgestreckten Hand, nicht mit der geballten Faust. Und dass sich nun manche in genau dieses Fäustchen lachen und voller Inbrunst die Ausgrenzung der Jungen ÖVP als Erfolg feiern, macht mich betroffen. Hier schüttet man nicht nur das Kind mit dem Bade aus, sondern zeigt auch, dass keine politische Richtung automatisch mit Empathie und Toleranz gesegnet ist. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass mit der sexuellen Orientierung nicht automatisch eine einzig mögliche politische Orientierung einhergeht und auch die Community wesentlich diverser ist, als so mancher Funktionär in der Hosi zu glauben vermag.

Rechtlich ist es umstritten, ob es überhaupt problemlos möglich ist, die Teilnahme an einer Versammlung zu verbieten, obwohl man die Ziele der Versammlung teilt und nicht beabsichtigt, sie zu stören. Das wäre aber wieder eine Frage, die die Eleganz und Schönheit unserer Bundesverfassung klären müsste. Doch diese wird aktuell schon genug strapaziert, daher verbleiben wir vorerst mit der Hoffnung, dass allein die Debatte darüber etwas Positives auslöst. Wir werden es nächstes Jahr jedenfalls wieder probieren. Unsere Hand bleibt ausgestreckt. (Nico Marchetti, 11.6.2019)