Wien – Nun ist es auch offiziell: Bei der 24. Wiener Regenbogenparade am Samstag haben so viele Menschen wie noch nie mitgemacht. Eine Sprecherin teilte der APA mit, dass rund 460.000 bis 500.000 Personen daran teilgenommen haben. Das ist ein neuer Rekord, der im Vorfeld bereits erwartet wurde.

DER STANDARD

Mit einer halben Stunde Verspätung ist die Wiener Regenbogenparade schließlich gestartet. Der Zug war heuer rund zwei Kilometer lang. In Summe nahmen 107 Wägen und Fußgruppen an der Parade teil – so viele wie noch nie.

Kurz vor dem Start hielt Ex-Bundespräsident Heinz Fischer unter viel Gejohle und Applaus eine kurze Ansprache. Dabei mahnte er Zusammenhalt ein: "Gemeinsam können wir sehr, sehr, sehr viel erreichen." Ebenfalls kurze Reden hielten unter anderem SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, der grüne Bundessprecher Werner Kogler, SPÖ-Stadtrat Jürgen Czernohorszky und Neos-Klubobmann Christoph Wiederkehr. Sie alle unterstrichen, sich für die Rechte von LGBTIQ-Menschen – also der homo-, bi-, trans- und intersexuellen Personen – einzusetzen.

Styling und Deko

Die sommerlich heißen Temperaturen taten dem Zustrom zur Parade keinen Abbruch: Menschenmassen säumten den Ring, um mit den Teilnehmern zu feiern. Bei der Dekoration wurde teils viel Aufwand betrieben. Ebenso beim Styling: So gab es Engel, Bräute, Paare im Partnerlook, die Regenbogenfarben waren omnipräsent. Ebenfalls mit dabei waren Trommler- und Dudelsack-, oder Biker-Gruppen. Wummernde Bässe, mit denen die Trucks bestückt wurden, sorgten auf der Route für Stimmung.

Zu den promindesten Paradenteilnehmern zählte wohl Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst im knallengen, weißen Latexoutfit. Sie war mit einem eigenen Truck unterwegs. Regenbogenparaden-Stammgast Hermes Phettberg ließ sich mit einem Mercedes-Oldtimer chauffieren.

Party mit Botschaft

Dass es sich bei der Parade eigentlich nicht um eine Party, sondern vielmehr um eine Demonstration für die Gleichberechtigung von LGBTIQ-Menschen handelt, darauf machten zahlreiche Schilder und Plakate aufmerksam. "Gewalt ist die Waffe der Schwachen" oder "Kämpfe mit uns für eine transfreundliche Welt" war zu lesen.

Die Route der Parade führt entgegen der Fahrtrichtung um den Ring, zunächst vorbei an Parlament, Heldenplatz und Staatsoper. Anschließend führt die Strecke über den Stubenring zum Schwedenplatz und auf den Franz-Josefs-Kai. Schließlich geht es vorbei an der Börse und der Universität zurück zum Rathausplatz.

Nach der Parade ist gegen 19.00 Uhr die Abschlusskundgebung am Rathausplatz avisiert. Dabei werden Bundespräsident Alexander Van der Bellen, EU-Justizkommissarin Vera Jourova, Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Conchita Wurst sprechen.

200 Demonstranten und Ursula Stenzel bei "Marsch der Familie"

Fast schon traditionell findet am Tag der Regenbogenparade auch der "Marsch für die Familie" in Wien statt. Sie propagieren ein Bild von Ehe nur zwischen Mann und Frau. Laut Polizei nahmen rund 200 Personen teil.

Bei den Teilnehmern der Demonstration, zu der die "Plattform Familie" aufgerufen hatte, handelte es sich tendenziell um Strenggläubige. Darauf wiesen auch Schilder mit Botschaften wie "Familie = Vater, Mutter, Kinder" oder "Abtreibung ist Mord" hin. Einer der Mit-Organisatoren ist der ehemalige Pegida-Sprecher Georg Immanuel Nagel. Am Rednerpult stand neben anderen auch die nicht amtsführende FPÖ-Stadträtin Ursula Stenzel. Sie sicherte den Teilnehmern ihre politische Unterstützung zu.

Der "Marsch für die Familie" verlief friedlich, wohl auch ob der hohen, sichtbaren Polizeipräsenz. Die Beamten begleiteten den Zug vom Treffpunkt beim Ballhausplatz, durch die Innenstadt bis zum Stephansplatz, wo die Schlusskundgebung abgehalten wurde. (APA, 15.6.2019)

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