In Le Bourget eröffnen traditionell die Jets der Patrouille de France die Luftfahrtmesse.

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Guillaume Faury macht einen ganz zufriedenen Eindruck, wie er auf einem Barhocker sitzend die Weltpresse zur Plauderstunde empfängt. Seit zwei Monaten oberster Airbus-Chef, hat der 51-jährige Franzose das Glück auf seiner Seite: Während sein deutscher Vorgänger Tom Enders letztes Jahr noch weniger Bestellungen als Boeing eingefahren hatte, kann Faury bei der Aeromesse in Le Bourget mächtig auftrumpfen.

Mit einer verlängerten Version des A321 präsentierte er am Montag ein neues Flugzeug, das bis zu 8.700 Kilometer weit fliegen kann. Das ist Rekord für die mittlere Größe mit 200 bis 220 Passagieren. Der A321 XLR bringt inklusive Ladung 35 Tonnen weniger Gewicht auf die Waage und verbraucht damit zehn Tonnen weniger Kerosin als die Konkurrenz. Diese Ersparnis von 45 Tonnen erlaubt kleineren Airlines günstige Direktflüge wie Paris-Chicago, Frankfurt-Mumbai oder Tokyo-Südaustralien. Bis zu dreißig Prozent Sprit spare das neue Flugzeug gegenüber den "anderen Anbietern", sagte Faury.

Damit meinte er natürlich Boeing. Der US-Konzern plant seinerseits ein weit fliegendes Mittelstreckenflugzeug, das den Projektnamen NMA (New Midsize Aircraft) trägt, in der Branche aber schon B797 genannt wird.

Große Bestellung

Mit seinem A321 XLR hat Airbus aber mehrere Jahre Vorsprung. In dem Pariser Privatflughafen Le Bourget heimste Faury gleich eine erste Bestellung ein: Die kalifornische Air Lease Corporation bestellte 27 Exemplare des A321 XLR, neben Orders für mehrere Dutzend normale A321 neo oder A220. Boeing-Vorsteher Dennis Muilenburg versuchte, den Deal mit den Worten zu relativieren, die neue Airbus-Maschine werde das Marktsegment seines NMA "nur am Rand ritzen". Diese Äußerung klang allerdings mehr nach einem Zugeständnis, dass der Airbus 321 XLR den Amerikanern wirklich auf die Füße treten wird.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron reiste mit einem Airbus nach Le Bourget.
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Das Gerangel kleinerer Maschinen um die langen Strecken illustriert auch einen Strategiewechsel der Europäer. Mit dem Ende des Doppelstöckers A380 verabschiedet sich Airbus von den Riesenflugzeugen, die große Hub-Flughäfen, meist Drehkreuze heimischer Airlines, ansteuern. Trumpf sind nun kleinere Maschinen, die auch Regionalflughäfen "point to point" bedienen.

Boeing zerknirscht

Faurys zufriedene Miene kontrastierte mit der demonstrativen Zerknirschung, die den Boeing-Managern in Le Bourget offensichtlich auferlegt worden war. Sie entschuldigten sich formell für die zwei tödlichen Abstürze der Boeing 737 Max. Und da ein Unglück nicht allein kommt, gab der Zulieferer GE Aviation am Montag bekannt, dass Motorenprobleme für den neuen 777 X eine Startverzögerung von mehreren Monaten verursachen dürften.

Angesichts der zu erwarteten Bestellungsflut für Airbus ist damit zu rechnen, dass die Europäer am Ende der Luftfahrtmesse – und womöglich auch noch am Jahresende – wieder die Nase vor Boeing haben. Das ganz große Strahlen setzte Faury beim Airbus-Heimspiel aber auch nicht auf. Dafür sind die globalen Konjunkturaussichten zu unwägbar. Das zeigte am Montag Lufthansa mit einer Gewinnwarnung.

Handelskrieg als Risiko

Schuld sind das lahmende Frachtgeschäft, steigende Kerosinpreise sowie bittere Handelsstreitigkeiten. Letztere machen den global produzierten und verkauften Flugzeugen schwer zu schaffen. Und Airbus könnte nach Expertenansicht in dem Konflikt vor der Welthandelsorganisation stärker leiden als Boeing: Vermutlich werden die Amerikaner schneller die Befugnis erhalten, die Europäer mit Strafzöllen zu belegen. Außerdem bedroht ein harter Brexit vor allem die Airbus-Fertigung. (Stefan Brändle aus Paris, 18.6.2019)