Wohin mit dem Plastik? Mit dieser Frage beschäftigen sich Klaus Feichtinger und Manfred Hackl schon lange.

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Der Europäische Erfinderpreis in der Kategorie "Industrie" geht an die Kunststoffrecycler Klaus Feichtinger und Manfred Hackl von der Firma Erema (OÖ). Ihre Arbeit zeige, "wie Innovationen in der Industrie dazu beitragen können, auch ökologische und gesellschaftliche Probleme anzugehen", so der Präsident des Europäischen Patentamts (EPA), Antonio Campinos, anlässlich der Verleihung am Donnerstag.

Die beiden aus Oberösterreich stammenden Unternehmer haben laut EPA das Kunststoffrecycling gemeinsam neu gestaltet. "Feichtinger und Hackl haben fast ihre gesamte Karriere der Verbesserung des Kunststoffrecyclings gewidmet" und dabei "die Effizienz des Recyclings gesteigert", sagte Campinos.

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Mehr Kunststoff in weniger Zeit verarbeiten

Mit Hilfe ihrer Technologie – die beiden halten 37 europäische Patente auf ihre Recycling-Erfindungen – können Abfälle zu hochwertigen Kunststoffpellets aufbereitet werden, die das Ausgangsmaterial für neue Produkte bilden. Zentrales Element in diesem Prozess sind Entwicklungen, die es ermöglichen, in den Anlagen in kürzerer Zeit mehr Kunststoff auch bei niedrigen Temperaturen zu verarbeiten.

Vermarktet wird ihre Technologie über das Unternehmen Erema, eine Tochter der EREMA Group GmbH, die Hackl und Feichtinger mehrere Jahre gemeinsam geleitet haben. Der Recyclingmaschinen-Hersteller mit Zentrale in Ansfelden im Bezirk Linz-Land steigerte im Geschäftsjahr 2018/2019 seinen Umsatz gegenüber dem Jahr davor um 16 Prozent auf 180 Mio. Euro. Heute sind mehr als 6.000 ihrer Maschinen in 108 Ländern im Einsatz und produzieren jährlich über 14,5 Millionen Tonnen Kunststoff-Pellets.

Mit der seit 2006 vergebenen Auszeichnung ehrt das EPA einzelne Erfinder und Erfinderteams, "deren Erfindungen Lösungen für einige der drängendsten Probleme unserer Zeit darstellen". Die Finalisten und Gewinner wurden von einer unabhängigen Jury ausgewählt, der Publikumspreis wurde aus den 15 Finalisten im Vorfeld der Gala über ein Online-Voting ermittelt. Neben der Sparte "Industrie" wurde der Preis am Donnerstag in der Wiener Stadthalle in vier weiteren Kategorien vergeben.

Preise für Diagnose-Software und Lithium-Batterien

Die "Forschungs"-Kategorie ging heuer an den Franzosen Jerome Galon, der sich mit einer von ihm entwickelten Diagnose-Software zur Bewertung des Rückfallrisikos bei Krebspatienten gegen die Konkurrenz durchsetzte. In der "KMU"-Kategorien reüssierte der Niederländer Rik Breur. Seine Antifouling-Faserfolie verhindert erfolgreich die Ansiedelung von Algen, Seepocken oder Muscheln an Schiffen. In der Sparte "Nicht-EPO-Staaten" ging der Japaner Akira Yoshino – der "Vater der Lithium-Ionen-Batterie" – als Sieger hervor.

Die Ehrung für das "Lebenswerk" sowie der Publikumspreis gingen an die spanische Molekulargenetik-Pionierin Margarita Salas Falgueras. Sie erfand eine einfache und zuverlässige Methode zur Vervielfältigung von DNA-Spuren, was eine vollständige Genomanalyse möglich macht. In dieser Sparte war mit dem aus Freistadt (OÖ) stammenden Experimentalphysiker Maximilian Haider ein weiterer Österreicher unter den Nominierten für einen der renommierten Erfinderpreise. (APA, 21.6.2019)