Nach acht Jahren Amtszeit wird Mario Draghi im Oktober den Chefsessel der EZB räumen.

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Whatever it takes!" Unvergessen sind jene drei Worte, mit denen EZB-Präsident Mario Draghi am 26. Juli 2012 ankündigte, den Zusammenhang der Eurozone um jeden Preis erhalten zu wollen. Die Krise der Eurozone klang daraufhin tatsächlich allmählich ab, allerdings musste sich der Italiener dafür mit Negativzinsen und einem billionenschweren Anleihenkaufprogramm auf das dünne Eis unkonventioneller Geldpolitik begeben. Im Oktober wird Draghi, der in seiner achtjährigen Amtszeit nicht einmal die Zinsen erhöhte, an seinen Nachfolger übergeben.

In der EZB muss die Führungsetage neu besetzt werden.
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Wer in seine Fußstapfen treten wird, bleibt offen – fix ist nur, dass es sich dabei um eine hochpolitische Entscheidung handelt. Schließlich ist bei den Spitzenposten in der EU eine Ausgewogenheit zwischen den Nationen gefragt. Nun sieht es so aus, als ob der Deutsche Manfred Weber entgegen früheren Erwartungen doch nicht die Nachfolge von Jean-Claude Juncker als Kommissionschef antreten wird – womit der Weg für einen Landsmann Webers als nächster EZB-Chef frei wäre.

Jens Weidmann gilt derzeit als Favorit für den EZB-Chefsessel.
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· Jens Weidmann Mit dem 51-jährigen Chef der Deutschen Bundesbank könnte sich ein Sinneswandel in der Zentralbank vollziehen, schließlich galt der Ökonom Weidmann lange Zeit als Kritiker der extrem expansiven Geldpolitik Draghis. Obwohl sich der Deutsche zuletzt kompromissbereiter zeigte, etwa hinsichtlich der umstrittenen Anleihenkäufe, nährte seine Haltung die Widerstände in Südeuropa gegen seine Person. Zuletzt verliehen der französische Präsident Emmanuel Macron und Draghi selbst ihren Vorbehalten gegenüber Weidmann Ausdruck.

Benoît Coeuré gilt wie Draghi ein Verfechter expansiver Geldpolitik.
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· Benoît Coeuré Für viele ist der 50-jährige EZB-Direktor der logische Nachfolger Draghis, schließlich gilt er als Architekt der ultraexpansiven Geldpolitik unter Draghi – für Kontinuität wäre also gesorgt. Was gegen Coeuré spricht: Einerseits leitete mit Jean-Claude Trichet bereits ein Franzose die EZB, zudem müsste er zunächst als Direktor zurücktreten, um überhaupt für den Chefposten zur Wahl stehen zu können.

Dem 68-jährigen Erkki Liikanen werden nur Außenseiterchancen eingeräumt.
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· Erkki Liikanen Außenseiterchancen werden auch dem früheren finnischen Finanzminister und Notenbankchef Liikanen eingeräumt. Allerdings spricht sein hohes Alter gegen den 68-Jährigen.

François Villeroy de Galhau wäre bereits der zweite französische EZB-Präsident.
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· François Villeroy de Galhau Im Rennen um den EZB-Chefposten dürfte auch noch der 60-jährige Chef der französischen Notenbank sein. Widerstände gegen ihn könnten sich wie bei Coeuré deshalb regen, weil er der zweite Franzose auf dem Chefsessel der EZB wäre. Jedoch hegt er eine persönliche Nähe zu Deutschland, weshalb ein Kompromiss durchaus möglich erscheint.

Olli Rehn gilt wie Weidmann als Freund straffer Zinszügel.
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· Olli Rehn Der frühere Wirtschaftsminister und derzeitige Notenbankchef Finnlands gilt wie Weidmann als Verfechter einer strafferen Geldpolitik. Während der Griechenlandkrise hatte der heute 57-Jährige als damaliger EU-Wirtschafts- und Währungskommissar schmerzhafte Reformen von dem Land gefordert.

Wer auch immer das Rennen machen wird – eine baldige Straffung der Geldpolitik sollte man sich nicht einmal von Weidmann oder Rehn erwarten. Einerseits sprechen die geringe Inflation und das nachlassende Wachstum gegen das Anziehen der Zinszügel. Zudem hat auch der EZB-Präsident nur eine Stimme im geldpolitischen Rat der Zentralbank, der die Zinsentscheidungen fällt. Für Otto Normalsparer bedeutet dies, dass er auch nach Draghis Abgang bis auf weiteres mit einer Nulldiät auf seine Sparbücher abgespeist wird. (aha, 2.7.2019)