Das Smartphone ist gut geeignet, um Kinder abzulenken. Aber ist das auch eine gute Idee?

Foto: Mark Lennihan / AP

Kaum eine andere Technologie hat unseren Alltag so nachhaltig umgekrempelt wie das Smartphone. Ob wir es wollen oder nicht, die kleinen Geräte von Apple, Samsung und Co nehmen mittlerweile eine zentrale Rolle ein. Und zwar eine, die für viele nicht mehr wegzudenken ist. Diese Erkenntnis führt nun zu einem neuen Phänomen, das gleichermaßen auf den ersten Blick verblüffend bei näherer Betrachtung aber auch durchaus konsequent ist.

Hilfreiche Tipps

Eltern in den USA heuern zunehmend Berater an, um zu lernen, wie man Kinder ohne Smartphones aufzieht, berichtet die New York Times. Viele Eltern wollen ihren Nachwuchs vom Smartphone fernhalten, wissen aber nicht wie. Genau das sollen ihnen die Experten nun beibringen. Zu diesem Zweck kommen sie zu Eltern nach Hause oder auch in die Schule oder Kirche, um diesen beizubringen, wie man Kinder in der Prä-Smartphone-Ära erzogen hat.

Was dabei so erzählt wird, erläutert Rhonda Moskowitz, die 30 Jahre Erfahrung in Schulen mitbringt und nun Eltern trainiert. Oft gehe es um sehr einfache Ideen. So frage sie oftmals, ob irgendwo ein Stück Stoff herumliegt, das man als Cape benutzen kann. Oder einfach nur, ob ein Ball vorhanden ist, mit dem man statt dem Smartphone spielen könnte. In vielen Fällen gehe es auch darum, die Eltern daran zu erinnern, wie sie selbst als Kinder gespielt hätten. Viele hätten sich so an ihre Smartphones gewöhnt, dass sie all diese Erfahrungen mittlerweile vergessen hätten.

Wachstum

Was zunächst nach einem Scherz klingen mag, ist derzeit tatsächlich eine immer stärker nachgefragte Dienstleistung. So hat Gloria DeGaetano zunächst als privater Coach einzelne Familien dabei beraten, wie sie ihre Kids von Smartphones wegbekommen können. Mittlerweile betreibt sie das Parent Coaching Institute, das auf ein Netzwerk von 500 Trainern zurückgreift. Für eine Stunde werden dabei in ländlichen Regionen 80 Dollar verlangt, in größeren Städten können es schon mal bis zu 250 Dollar werden. Üblicherweise buchen Eltern acht bis zwölf solcher Sitzungen.

Viele der Coaches betonen allerdings, das es nicht mit ein paar einfachen Ratschlägen getan ist. Bei vielen Familien bedarf es eines grundlegenden Wandels des Lebenswandels, der sich mittlerweile komplett um Smartphones orientiert habe. So verrät etwa Richard Halpern, der mittlerweile ebenfalls solche Trainings anbietet, einen von ihm oft gegebenen Ratschlag: "Legt euch eine Haustier zu und lernt von diesem". Einer Katze sei es egal, wenn man ihre einen Bildschirm vor ihre Nase halte. Und auch für die Kinder sei es einfach netter mit einem echten Hund zu spielen anstatt sich Fotos davon auf einem Smartphone anzusehen. (red, 7.7.2019)